Julia Starp: Urlaubsfeelings

„Reisende“ – Kollektion SS2017

Text: Gerhard Paproth

Bilder: Boris Marberg

 

Der Frühling kommt und damit tauchen auch die ersten Urlaubsgedanken auf. Lustvolles Reisen gehört zum Schönsten, was unsere freie Welt anzubieten hat, besonders, wenn erhellendes, launiges Wetter die Welt der unbeschwerten Bewegung besonnt. „Mitropa“ war nicht umsonst das Zauberwort der 20er Jahre, es bedeutete geschmackvolles und abenteuerversprechendes Reisen mit Fernzügen und Luxuslinern, stand für modernes Lebensgefühl und sinnliche Expansion. Mode, Design, Architektur, alles trug diesem neuen Zeitgeist Rechnung – die neue Mobilität der Goldenen Zwanziger wurde zugleich zu einer ästhetischen Kategorie. Der Touch des Snobistischen war kein Nachteil, sondern befeuerte die Lust.

Auch die 50er und 60er Jahre entwickelten in Westeuropa ein starkes Fernweh und damit eigene ästhetische Mittel und Themen in Mode und Design.

Julia Starps Kollektion REISENDE zeigt sich stark inspiriert von dieser Begeisterung und transportiert sie nostalgisch gemixt in die Gegenwart. Und es wäre auch keine typische Julia-Starp-Schau, wenn sich damit nicht ein gesamtgestalterisches, theatralisches und emotionales Konzept verbände. Mit einer Stunde Flugverspätung eröffnen und begleiten Originalsounds des Reisens (Flughafen, Big Ben etc.) die Schau ebenso wie französische Chansons und andere nostalgische Musikschmankerln. Die Kleidung nimmt uns mit auf die Reise. Frankreich, Italien und Amerika sind in diesem Rückgriff die repräsentativen Orte der Sehnsucht, Postkarten und Werbeplakate akzentuieren als große Prints die nostalgische Lust am Reisespaß, wichtige Reiseaccessoires wie Koffer und Reisetaschen gehören dazu.

Präsentiert werden auffällige Mäntel, Blazer und Jacken, mondäne Kleider (auch Hängerchen) sowie bequeme Hosen und Röcke. Kleine Hüte und geschmackvoll gemusterte Shirts  (oft quergestreift) ergänzen die Vorstellung eines zeitlosen, eleganten und auch praktischen Auftritts. Bunte Prints kontrastieren zu schwarz-weissen Silhouetten und grafischen Formulierungen, womit die integrative Kombination der Stilmittel des Art-Deco und der 50er/60er Jahre überzeugend pfiffig gelingt.

Die Schnitte und Silhouetten sind stets körperbewusst gehalten und daher sexy. Auch für Männer findet die Designerin entsprechende Gestaltungsformeln, lässig elegant und auch sportlich angelegte.

Zum Schluss folgt noch eine weiße Braut- und Abendmodenlinie mit Plauener Spitze, Hemp-Silk und Softtüll. Auch hier sind die Gestaltungsbezüge zu den eleganten Zwanzigern offenkundig, und der gute Geschmack (und Exklusivität) transportiert sich damit fast zwangsläufig.

Insgesamt eine Schau, die viel Spaß macht, weil sie den Zuschauer selbst auf imaginäre Reise führt und zeigt, dass schon die Kleidung und Ausstattung die halbe Reiselust ausmachen. Dabei ist der nostalgische Rückgriff nicht nur eine sinnvolle geschmackliche Zuordnung, sondern auch der passende emotionale Kick.

Angesichts erschreckender Kleidungspanoramen auf Flugsteigen und an touristischen Orten in der Reisezeit sind Modestatements wie diese ein echter Hoffnungsschimmer.