Taskin Goec – Das KI-Format

Taskin Goec – Das KI-Format

Berlin Fashion Week ss2027 – LOBE Block

 

Text: Gerhard Paproth

Bilder: Andreas Hofrichter und Gerhard Paproth (iPhone)

 

PLATTE ist immer wieder gut für ungewöhnliche Veranstaltungen. Schon der deutliche Touch der unprofessionellen Organisation vor Ort hat stets seinen eigenen Charme und eigenwillige Abläufe. Das ist ein Teil der Platte-Community, die bleibt geduldig und gut gelaunt, auch bei unnötig langen Wartezeiten.

Der vorgelagerte Garten plus gefüllte Ostmost-Kühlschränke machte das möglich. Für die Schau für die neue Kollektion von Taskin Goec war ein geschätzt 70 m2 großer Raum vorgesehen, zuerst ein Schau-Abschnitt für geladene Gäste und Pressefotografen, später einer für größeres Publikum. Im ersten Durchgang musste unser Fotograf von draußen aus dem Garten durch das Fenster fotografieren und natürlich war der Raum übervoll.

Aber es bedurfte eigentlich gar keiner Fotografen, denn es gab keine Models und keine Kollektionskleidung und keinen Runway, wie als solcher angekündigt. Stattdessen einen laufsteglangen LED-Screen, der eine Art „Catwalkfilm“ präsentierte.  In etwa zwei Meter Abstand konnte man neben den laufenden Models auch Ausschnitte und Positionen in höchster Auflösung betrachten, die die äußerst raffinierten Oberflächen brilliant demonstrierten und die die Betrachtung der Gestaltung mit Filmschnitt und Focus vorgaben. Dieser Präsentationsansatz ist letztlich die Verlängerung des Taskin-Modedesign-Universums.

Denn Studio Taskin „ist das Atelier von Taskin Goec, einer in Berlin ansässigen Mixed-Reality-Designerin, die die Prinzipien traditioneller Handwerkskunst in die digitale Welt überträgt.“ Dabei ist „KI in diesem Prozess keine Abkürzung. Sie ist ein kreativer Mitgestalter.“ (Presseankündigung) Das erlaubt nicht nur die Entwürfe äußerst faszinierender, haptisch attraktiv erscheinender Oberflächen und ungewöhnlichen Materialumganges sondern auch die Entwicklung eines aufgefächerten Erscheinungsuniversums, mit eigenen Repräsentanten und einer ganz eigenen Art, sich zu kleiden. Was die digitale KI an vielen Gestaltungsvorschlägen bei dieser Arbeit vorschlägt, wird dann kuratiert, verfeinert und in digitalen Formaten zum Leben erweckt. Oft zu tollster Fantasy. Soweit das eine Vorstufe der Realisierung ist, ist das durchaus beeindruckend. Sehr gerne möchte man nun die physische Ausführung sehen – und vielleicht sogar begehren, doch es bleibt für den Besucher offen, ob es die überhaupt gibt oder geben kann.

Insofern stellt diese Veranstaltung der Modewoche eher nicht vor, wie Modedesigner uns in der betreffenden Saison ausstatten wollen sondern mit welchen digitalen Mitteln sich Modewelten entwerfen lassen und gibt uns eine Vorstellung davon, wie brilliant und glaubwürdig diese Verfahren vorgehen können. Und auch, wie man auf diesem Wege einen stilistischen Kosmos kreiieren kann, der Zeitgeist spiegelt, vorschlägt oder sogar vorwegnimmt. Der Schritt in die authentische Realität ist dann vielleicht nur noch ein kleiner, aber um den ging es hier erst einmal nicht.