Paris V – 08/09/10/märz – Playlist

Paris V – 08/09/10/märz – Playlist

Fashionweek Paris Autumn Winter 2021

 

Text: Gerhard Paproth

Bilder: Vorschaubilder der Netzvideos

 

Hier nun die letzte Playliste der offiziellen Schauen zur digitalen Pariser Fashionweek aw2021. In dieser nun ziemlich vollständigen Übersichtsfassung wird deutlich, wie wichtig und wie etabliert die Gesamtveranstaltung ist, wie Alteingesessene und Neue Labels sich vermischen und auch modekonzeptuell ergänzen.

Besonders spannend empfinden wir dabei neben den modischen Orientierungen und Innovationen die medialen – also filmischen – Entscheidungen, denn auch hier ist die Spannweite sehr groß. Das betrifft einerseits die Qualität der Machart, die nicht nur vom Budget abhängt sondern auch wesentlich vom kreativen und aufgeschlossenen Esprit der betreffenden Labels und kreativen Leitungen. Der geschlagene Bogen von Marine Serre bis Louis Vuitton repräsentiert durchaus The State Of The Art.

Es sind, das überrascht aber nicht wirklich, oft die großen Modehäuser, die eben nicht auf Haustradition in der Präsentation setzen, sondern mit kreativ erdachten Filmchen noch Maßstäbe setzen, weit über die Modevorlagen hinaus. Sie greifen sich nämlich schnell die jungen Kreativen aus dem Nachwuchsmarkt und übergeben ihnen Chancen und Verantwortung. Ganz französisch ist das nicht, insofern ist hier die Mode in Frankreich unternehmensphilosophisch in einer Vorreiterposition. Dennoch setzt die Philosophie der französischen Modehäuser noch auf Exklusivität des Luxus bei den Schauen. Diese fällt nun weitgehend weg und der Verlust des Ausschlussverfahrens im Onlineauftritt macht den Blick der Brancheninsider, letztlich auch aller Interessierten frei und erlaubt endlich eine objektive Gesamtsicht. Das ist durchaus ein Gewinn. Ob der gewünschte Exklusivitätsnimbus damit insgesamt leidet, ist noch offen. Vielleicht sind nunmehr neue Standards gesetzt, wenn die realen Schauen zurückkehren, auch wenn viele bereits vorher ihre Schauen nachträglich im Netz gezeigt haben.

Interessant ist die Beobachtung, inwieweit ideologische Trends (also Nachhaltigkeitskonzepte) ihren Platz dabei finden – gerade aus deutscher Perspektive. Man muss vielleicht einsehen, dass weltanschauliche Unternehmensphilosophie sich schwer als überzeugende Triebfeder fürs Gestalterische einspannen läßt, so wichtig wie die Nachhaltigkeitsstrategie auch ist. Die Präsentationen zeigen nun vielmehr, dass es klüger scheint, moralische Kategorien da herauszuhalten und eben nicht gerade damit prahlen zu wollen. Wenn Labels darauf setzen, dass sich in diesem Sinn „anständige“ Verfahren und Entscheidungsgrundlagen auch so herumsprechen, dürfte das für ein besseres Image sorgen, als das Vor-sich-hertragen ökologischer Grundüberzeugungen. Darüber werden einige deutsche Labels noch nachdenken müssen, wenn sie z.B. in Frankreich mitspielen wollen. Ein gutes Beispiel dafür sind vielleicht Lisi Herrebrugh und Rushemy Botter: Gestartet mit einer ökologisch geprägten Kollektion in Hyères, die allerdings auch sehr viel Lebensfreude, Buntheit, Witz und Naivität ausstrahlte, arbeiten sie nun, nur kurze Zeit später, verantwortlich für Nina Ricci. Und stellen eine Kollektion vor, die sicherlich die ökologischen Grundhaltungen der frisch gebackenen Direktoren nicht über Bord wirft, sondern nach außen den Ideenreichtum und die Schrägheit der Gestaltungsästhetik sprechen lässt, im Kontext des entsprechenden Niveaus des Hauses. (Näheres wissen wir allerdings nicht – wir werden bei nächster Gelegenheit das Paar dazu befragen.)

Einige grundlegende Darstellungsmodelle haben wir bei den vielen Filmchen gefunden:
1. Befindlichkeiten, die hauptsächlich in Filmstimmungen übersetzt werden (z.B. TAAK).
2. Verortungen im aktuellen gesellschaftlichen Kontext, die auch mit stereotypen Zeichensystemen formuliert werden (z.B. Sankuanz).
3. Launige Erlebnisclips, mit vielen schnellen Schnitten, Abwechslungsreichtum, erzählerischen Situationsschnipseln und gut gelaunten Protagonisten (z.B. Thebe Magugu).
4. Die Tradition des Hauses geht mit der Zeit. Edle Locations und Ausstattungen werten die gezeigte Mode à priori auf, egal ob und welchen Kontrast sie dazu liefert (z.B. Dior). Das Zielpublikum ist zweifellos wohlhabend.
5. Ein Einblick in den Prozess des Modemachens, der nicht selten ideologische Anteile transportiert und handwerklich gemachte Qualität herausstellt. Meistens ist das eine Art Klammer für die Präsentation der Kollektion (z.B. Xuly Bët).
6. Die abgefilmte Cat-Walk-Schau (z.B. Anrealage), die im Wesentlichen dem klassischen Schauen-Format verhaftet bleibt, sich aber oft ungewöhnliche Locations sucht (z.B. Miu Miu) oder kleine Freiheiten.
7. Aus Fotos wird eine musikalisch getaktete Bilderschau montiert (z.B. Agnès b.).

Natürlich gibt es da Mischungen, doch für junge Marken ist es besonders schwer, sich geeignet zu positionieren und natürlich auch, in der Folge, passendes Personal zu finden (Filmemacher, Choreografen etc.), das die leitende Grundhaltung pointiert umsetzen kann. Hinzu tritt die Kompetenz, über der beschränkten Modegestaltung zu stehen und medial umfassender zu denken – also nicht innerhalb des modischen Tellerrandes zu verharren. Das Problem der Designer spürt man in einigen Videos noch heraus (besonders deutlich, wie bereits erwähnt, bei Marine Serre). Herangehen 6., also eine Modeschau abzufilmen, ist natürlich immer eine bescheidene, doch geeignete Ausweichmöglichkeit. Dreh plus Postproduktion kostet Geld, sicherlich, muss aber nicht extrem aufwändig werden. Das Beispiel Rebekka Ruétz‚ zeigt, dass der Mut am Spass, kreative Prägnanz und die Fähigkeit, mit begrenzten Mitteln etwas auf die Beine zu stellen, die eigentlich spannendste Variante für Jungdesigner ist, denn sie repräsentiert, mit überschaubaren Mitteln, noch Bodenständigkeit. Und damit das Versprechen, dass der Abstand zur eigenen Gegenwart möglichst gering ist. Bei Marine Serre erscheint dasselbe Konzept allerdings gescheitert.

 

 

Hier die Videos zur Pariser Fashionweek von Montag bis Mittwoch:

 

Montag, 8. März:

Lanvin – If I Was A Rich Girl… Feat. Eve

(3:20) Film director: Helmi

 

Schiaparelli – Ready-to-Wear Fall/Winter 2021 by Daniel Roseberry

(4:19) Film directed by: Christophe Tiphaine

 

Agnès b. – hiver 2021

(1:31) keine Angaben

 

Giambattista Valli – Fall-Winter 2021/2022 Show

(9:58) video art Giambattista Valli

 

Christian Dior – Disturbing Beauty

(10:57) Concept film: Maria Grazia Chiuri

 

Akris – Fall/Winter 2021 Film

(6:40) directed by Anton Corbijn

 

 

Xuly Bët – FW21/22 Film

(4:37) Video director: Alexandre Parizet

 

Anrealage – Ground

(11:08) Movie Film Director: Tomoyuki Kujirai

 

Shiatzy Chen 夏姿‧陳 – Time

(10:59) Video: Ordynari People

 

Mossi – Paris Fashion Week FW21

(7:53) keine Angaben

 

Balmain – Above & Beyond

(10:53) Directed by Valentin Petit

 

DIENSTAG, 9. März

Chanel – The Fall-Winter 2021/22 Ready-to-Wear Show

(10:40) Filmdirected by Inez & Vinoodh

 

Valentin Yudashkin – Fall 2021 Ready-to-Wear

(11:25) keine Angaben

 

Ann Demeulemeester – Fall/Winter 2021-2022

(10:56) Director: Willy Vanderperre

 

Paco Rabanne – Womenswear Fall/Winter 2021

(2:56) keine Angaben

 

TAKAHIROMIYASHITA TheSoloist.

(12:54) keine Angaben

 

Jarel Zhang – Autom/Winter Collection

(4:39) Film Production: Suhang Jiang

 

Miu Miu – Brave Hearts

(10:05) keine Angaben

 

MITTWOCH, 10. März

Kenneth Ize – Fall-Winter 2021

(2:03) directed: Joshua Woods

 

Louis Vuitton – Women’s Fall-Winter 2021 (im Louvre)

(6:35) keine Angabe

 

 

Stand 10.3.2021 15:15