Berlin Fashion Week AW2026 – M60 Die Macherei
Bilder: Andreas Hofrichter
Text: Gerhard Paproth
Es ist ein Feuerwerk der Lebensfreude, was sogar die ansonsten eher unberührte Riege der dokumentierenden Fotografen begeistert hat. Die Kollektion von Orange Culture kommt diese Saison fast ungebrochen farbenfroh und optimistisch daher, nachdem Adebayo Oke-Lawals vorausgehende Schau in Berlin noch von traurigen Privatereignissen beeinflusst war.
Wenn man Pressetexte liest, ist man geneigt, die Interpretation in die vorgegebene Richtung zu lenken („In seinen neuesten Entwürfen beschäftigt sich der Designer mit Themen wie Nostalgie, Kindheit und Orten (wie Hinterhöfen), die uns im Laufe der Jahre prägen.“ – daher der Titel) aber in diesem Falle scheint es doch auszureichen, seiner Begeisterung für Lebensoptimismus zu frönen, dafür muss man sich ja nicht zwingend in nostalgische Erinnerungen zurückbeamen. Unsere Zeiten brauchen optimistische Zukunftsmusik und diese Kollektion von Orange Culture kann man auch so herum verstehen. Umso mehr, als unsere Klischeevorstellungen klassischer afrikanischer Stoffe besetzt sind mit selbstverständlicher Buntheit, mit Wärme und mit positiv leuchtender Lebensfreude, aus einem stets sonnigen Land der vielfältigen Muster und Erscheinungsbilder. Diese Kollektion setzt auf zeitgemäße Weise diese tradierten Vorstellungen fort und transportiert eine Menge Inspiration, um die Stimmung der Modebilder der Gegenwart aufzuhellen. Dabei kommt die Kollektion mitnichten folkloristisch daher, vielmehr assimiliert und reflektiert der ursprünglich afrikanische Ansatz die westlichen Modeströmungen in souveräner Weise und führt auch gekonnt afrikanisches Kunsthandwerk mit westlichen Herstellungsweisen und Modevorstellungen zusammen, zu einer globalen Perspektive also, die in afrikanischer Kreativität verwurzelt ist. Diese ungebrochene, stimmige Einheit ist wunderbar gelungen: Mehr noch als hier sieht man in Frankreich viele Schauen mit afrikanisch stämmigen Designern, die in Paris ihre Ausbildung gemacht haben. Und da zeigt sich oft, dass eine ausgewogene, selbstverständliche Verknüpfung der Kulturen eben nicht oft homogen und überzeugend gelingt – es bleibt eher bei Beeinflussungen.
Hier auf der Berliner Fashionweek hat bereits das Label Palmwine Icecream aus Ghana mit Life Moodboard und Muse einen wichtigen und gefeierten afrikanischen Akzent gesetzt, Orange Culture (Lagos, Nigeria) ergänzt diesen Ansatz nun auf eigene Weise, mit ebenso viel Feeling und ebenso erfolgreich.
Im Prinzip ist die ästhetische und handwerkliche Verschmelzung zweier Kulturen also die hohe Kunst dieses Labels, dazu gehören des Weiteren die skulpturalen Schnitte, lebendigen Farbpaletten und sozialbewussten Erzählungen. Der praktische Fokus liegt bei dieser Kollektion auf spezifischen Handwerkskünsten und besonderen Texturen, was sich insbesondere in den zahlreichen Ton-in-Ton-Looks, Makramee- und Häkelkleidern, handgefärbten Stoffen, bunten Drucken, Fransenpullovern, handgefalteten Schlaghosen und gewebten Accessoires zeigt. Sehr komplexe, aufwändige Entwurfs- und Herstellungsweisen, die dann allerdings auch zum Begriff Luxusmode führen, womit der angestrebte Impact dann leider wieder geschmälert wird. Aber für eine überzeugende Modenschau spielt das ja eher keine Rolle.
Und im Grunde ist es auch müßig, über den nostalgisch-persönlichen Background des Designers, über die kunsthandwerklichen Spezifika der Herstellung und über kulturelle Herkunft des einen oder anderen Elements zu sinnieren – die emotionale Begeisterung der reinen Anschauung ist Kennzeichen genug, dass hier eine Sehnsucht eingelöst wird, die eigentlich ganz unspezifisch in uns wohnt. Das dürfte die ganz große Qualität dieser Kollektion sein.
































