Impari – Anima

Impari – Anima

Berlin Fashion Week SS2027 – MOA Berlin

Bilder: Andreas Hofrichter

Text: Gerhard Paproth

 

WITH[out]WASTE ist leitendes Programm des Labels Impari, das seine Kollektion damit in den Reigen der Versionen modischer Nachhaltigkeit stellt und darauf verweist, dass der Schlüssel zu modernem Modeverständnis in der ideologischen Sinnhaftigkeit steckt.

Dafür entwickelt das Berliner Atelier innovative Materialien aus recycelten Kunststoffen und baut neue Wertschöpfungsketten auf. Aber auch sonst sind die Grundlagen des gestalterischen Schaffens explizit gesellschaftspolitisch ausgerichtet, also non-binär beziehungsweise unisex, multiethnisch und so weiter. Soweit den auffindbaren Verlautbarungen folgend, versteht sich IMPARI allgemein als eine Marke, die bewusstes Leben, Individualität, Liebe und Achtsamkeit fördern will. Das klingt nach modernistischem Meinungsethos. Die Gründerin Jana Heinemann  unterstreicht diese Positionierung auf ihrer Webseite: „Das Wichtigste ist, dass ich einen neuen Blick auf Nachhaltigkeit in der Modeszene setzen möchte“ und dass in ihrem Designprozess „Vielfalt und Nachhaltigkeit als Schlüssel meines Labels“ zu verstehen sei.

Zur ästhetischen Positionierung findet man weniger Konkretes: „Die Handschrift meiner Designs zeichnen sich durch selbst erstellte Drucke in Kombination mit den unterschiedlichsten Materialien und Farben aus.“ Es geht um frische Farben, Vielseitigkeit des Materials, den Ausdruck von Lebensfreude, Individualität und gesellschaftliche Verbundenheit, hauptsächlich auf ein positives Erleben des nachhaltigen Anspruchs. Entsprechend vage und vielseitig sind die vorgeführten ästhetischen Stilmittel, in der Couture finden sich Varianten vom Kastigen bis zum Geschwungenen, vom Geschichteten zum Simplen, in der Farbgebung vom Bunten zum Monochromen, vom Zarten oder Gebrochenen zum kräftigen Reinfarbigen, vielseitig Gemixtes und einfach Belassenes – alles kreativ und launig angelegt aber ästhetisch eher ungefähr und ein wenig beliebig. Das schließt durchaus diverse Raffinessen ein, man sieht sehr pfiffige Raffungen und Fältelungen, dynamische Architekturen, gelungene Farbabstimmungen und auch formal ungewöhnliche Kombinationen. Zudem findet recyceltes PET interessante Gestaltungsanwendungen.

Ein besonderer Akzent gibt der Kollektion gelegentlich eine interessante Richtung: Die chinesische Tang-suit-Jacke wird neu interpretiert, die zugehörigen Schlaufenverschlüsse und Krägen peppen mehrere Tops reizvoll auf, und es gibt gelegentlich auch Hüte mit chinesischer Prägung neben Schlapphüten und Mützen.

Diese Vielseitigkeit mit diversen Akzenten versteht sich als die eigentliche gestalterische Kompetenz und als Auftrag, Individualität vorzuführen. Und ein aufgeschlossenes, positives Lebensgefühl. Mit dieser Interpretation des Nachhaltigkeitsanspruches geht die Kollektion immerhin schon einen Schritt über das ideologische Primat hinaus. Letzteres immer wieder herauszustellen, sollte sich aber mal erübrigen.