Hugues Klein – Designkonzept

Hugues Klein – Designkonzept

Text: Zora Weber

Bilder: Hugues Klein

Auf der imm Köln 2012 stellte Hugues Klein im Bereich pure village – D3 Design Talents die multifunktionale  Sitzgelegenheit Niels Chair vor. Dahinter verbirgt sich ein innovatives Designkonzept, das Tätigkeiten in verschiedenen Sitzhaltungen in einem Möbelstück vereint. Bei der ersten Annäherung fällt zunächst die organische Form und die Farbe des Stoffes auf; die Neuartigkeit dieses Designobjektes, welches dennoch sogleich an Cocooning erinnert. Auf den zweiten Blick macht es neugierig, lassen sich doch Arbeitsplatte, Sitzunterstützung der rückwärtigen Wand und die fünf Öffnungen funktional nicht auf einen Nenner bringen. Nochmals ändert sich der Eindruck völlig, sobald man im Innern des Niels Chairs Platz genommen hat: die eigene Stimme wird gedämpft, ein beschützendes Höhlengefühl kommt auf, was gleichzeitig durch die Öffnungen an den Seitenwänden, der Spitze und im Frontbereich sowie der angebrachten Arbeitsplatte aufgebrochen wird.

Hugues Klein - Designkonzept

Gut nachvollziehbar ist die Funktion, sich einerseits in diesen offenen Raum zurückziehen zu können, um nachzudenken, zu entspannen oder um Zeit für eine kreative Pause zu haben. Andererseits bleibt die Verbindung zur Außenwelt über den Arbeitsbereich mit der Ablage für ein Laptop und aufgrund der Öffnungen gewahrt.

Hugues Klein - Designkonzept

Entwickelt wurde der Niels Chair in dreijähriger Forschungsarbeit vom Architekten und Designer Hugues Klein. Lange hatte er den Zusammenhang zwischen Sitzpositionen und den damit verbundenen Tätigkeiten in verschiedenen Kulturen beobachtet. Das Ergebnis hiervon ist Niels Chair. Die Maße und die Ausgestaltung gestatten einen multifunktionalen Gebrauch, der sowohl generations- als auch kulturübergreifend ist: beispielsweise läßt sich im Niels Chair kniend an einem Laptop arbeiten, aber genauso mit übereinandergeschlagenen Beinen lesen oder telefonieren. Die Rückwand kann durch die angebrachte Unterstützung zum aufrechten Sitzen dienen, die Seitenwand, um angelehnt die Beine auszustrecken. Die Sitzfläche bietet genügend Raum für einen Schneider- oder Lotussitz ebenso wie für ein Liegen auf dem Rücken, bei dem die Beine aus einer der Öffnungen gestreckt werden, um die Venen zu entstauen. Kinder können den Raum im Niels Chair als Vorlese- oder Spielhöhle oder schlicht als Rückzugsort nutzen. Menschen aus östlichen Kulturen können hockende oder kniende Positionen einnehmen. Ein Niels Chair dient quasi gleichzeitig als Bürostuhl, Schreibtisch, Sofa, Meditationskissen, Bett oder Loungesessel durch Integration der verschiedenen Sitzhaltungen.

 

Hugues Klein - Designkonzept

Hugues Klein - Designkonzept

Dementsprechend sind zahlreiche Standorte denkbar: zu Hause, im Café, auf dem Flughafen, in einer Hotel- oder Bahnhofslounge usw. Ebenso lassen sich mehrere in einem Ensemble arrangieren und wirken auch in der Gruppe visuell ansprechend. Von einander zugewandt, Rücken an Rücken stehend bis zu einer kreisförmigen Formation mit der Frontseite oder einer Seitenwand dem Zentrum zugewandt sind die unterschiedlichsten Anordnungen denkbar.

Hugues Klein - Designkonzept

Ziel von Hugues Klein ist es, sein Designkonzept eines vielfältig einsetzbaren Möbelstückes Menschen zugänglich zu machen. Zu diesem Zweck schaut er sich zurzeit nach einem Produzenten für Niels Chair um. Wir drücken ihm die Daumen, daß seine Suche Erfolg hat!