Unvain – Debüt Modenschau

Unvain – Debüt Modenschau

Berlin Fashion Week AW2026 – Feuerle Collection

Text & Bilder: Boris Marberg für BFW

 

In der Feuerle Collection – einem düsteren „Kunsttempel“ – wurde die erste Kollektion des Labels Unvain um den Gründer und Creative Director Robert Friedrichs präsentiert. Die brutale Betonästhetik des Weltkriegsbunkers erweist sich als kongenialer Ort für die Designästhetik von Unvain, die in der Berliner Club- und Subkultur verwurzelt ist, welche ebenfalls eine Affinität zu solchen Orten hat. Die minimalistische und konstruktivistische Gestaltung der Kleidung fügt sich so, mit einer fast kultischen Inszenierung, in den brutalistisch definierten Raum.

Fern vom Tageslicht und bei spärlicher Ausleuchtung wirkt die Schau kathedral, was durch Accessoires der Modelle, die Thuribula (schwenkbare Rauchgefäße) über den Laufsteg trugen, verstärkt wurde. Damit platzierten sie eine eigens für die Schau (in Zusammenarbeit mit RYOKO Berlin) entwickelte Duftinstallation. Man assoziiert mit dieser Inszenierung eine Messe für das antike Göttliche der Mode – vielleicht sogar mit Athene, die als Schutzpatron in der Webkunst und des Spinnens gilt. Bei der stilistisch auf Formgebung und Konstruktion ausgerichteten Kollektion von Unvain wäre das immerhin passend, mit einer Suche nach Schönheit jenseits von Glamour und Hochglanz.

Bei aller Härte der Formgebung leben die Looks, denn sie sind mit gezielten Akzentuierungen versehen und sie spielen mit harten Übergängen von unterschiedlichen Materialien oder Nuancierungen in der Hell-Dunkel-Farbgebung. Die Formen zeigen jeweils klare Kanten, grenzen ab und sind kompositorisch durchdacht arrangiert. Für die Wirkung spielt es dabei keine Rolle, ob harte, abgrenzende Materialien zum Einsatz kommen oder mit Transparenz und dem Durchscheinen bis auf die Haut gespielt wird. So kann ein transparenter Damenlook mit applizierten Posamentenborten, die an Zirkus-Uniformjacken erinnern, gleichrangig neben einem Herren-Look mit einer weißen Uniformjacke, ebenfalls mit solchen Posamentenborten, stehen. Die ist wiederum mit einer Used-Demin-Hose kombiniert.

Insgesamt vermittelt die Kollektion eine eher düstere, raue Note, die auch durch die weißen Teile und die wenigen spielerischen Applikationen nur bedingt aufgefrischt wird: hier lebt Brutalismus in mode-designter Perfektion. Verbunden wird diese formale Gestaltung mit einer gewissen Note von „benutzt und befleckt“, wenn Jeans manuell bearbeitet und verschlissen sind oder Flecken appliziert wurden. Das unterstreicht einerseits das Rohe und löst andererseits die formale Strenge, die zu Sterilität neigen könnte, geschickt auf.

2020 hat der Designer Robert Friedrichs das Label Unvain in Berlin gegründet und fügt damit dem Modeimage der Stadt eine ausgeprägte Note hinzu, die sich entsprechend aus dem Geist der Subkultur ableitet. Seine erste Kollektion auf der Fashionweek versucht die charakteristische Rauheit mit Raffinesse und Sinnlichkeit zu veredeln und die Anknüpfung an die Architekturästhetik des Brutalismus modisch neu zu beleben.