Paris Fashionweek aw2026/27 (women), Tranoï, Palais Brongniart
Text und Bilder*: Gerhard Paproth
Paris ist in den Ferien. Und während die Pariser Urlaub machen, fluten unzählige junge Fashionistas die ganze Stadt. Das setzt der nachhaltigen Verjüngungskur des Stadtbildes und -lebens noch einmal eine zusätzliche attraktive Note hinzu, auch wenn man ahnungslos bleibt, was die alle während der Fashionweek die ganze Zeit treiben. Immerhin findet man Fanmassen draußen vor den Locations der großen Fashionshows und die unzähligen, trotzdem meist spärlich besuchten Pop Up Shops kleinerer Modelabels versuchen in der Innenstadt, von diesem Publikum zu profitieren, ein Mysterium bleibt das trotzdem.
„Irgendwie dabeisein“ ist vielleicht eine nachvollziehbare Antwort, die vielen Einkaufstaschen richten die Vermutungen immerhin aufs Konsumieren – die Fashionweek als große Shoppingtour in Paris. Denn selbst für bekannte Influencerinnen und für internationale Presse ist der Zugang zu den Schauen meistens ausgeschlossen und bleibt wenigen VIPs vorbehalten, die ausgesucht eingeladen – und auch dafür bezahlt – werden. Akkreditierungsversuche, das gehört zum arroganten Exclusiv-Nimbus dazu, werden gar nicht erst beachtet oder beantwortet und im persönlichen Gespräch auch gedemütigt. Frankreich liebt das so (und die vielen unbezahlten PR-Praktikantinnen erleben ihre ersten – und auch letzten – Macht- und Hochgefühle im Business). Das war schon immer so und ist Teil der großen Show in dieser Stadt.
Aber die Pariser Fashionweek hat ausserhalb seiner Youtube-Dokus auch demokratische Einrichtungen, bei denen es um die Mode selbst geht und nicht ums Dabeisein, dazu gehört die Modefachmesse Tranoï, wo die international innovativen kleineren Labels sich positionieren und Mode weniger über Image als über pfiffige und zeitgeistige Gestaltung präsentieren und letztlich auch marktfähig machen. Für die aufgeregten Fashionistas weniger, aber für uns ist das allemal die spannendere Perspektive, denn der Hype um Exclusivität und ihre Auftrittsspielchen sind mitnichten das, was zeitgenössische Mode ästhetisch attraktiv macht. Er verhindert den Blick auf die multinationalen Strömungen, auf individuelle Konzepte, auf Eigenwilligkeiten und Trouvaillen. Die kann man hier auf der Messe entdecken, wenn man sich nicht mit dem begnügt, was man da draußen im Show-Publikum zu sehen und zu goutieren bekommt.
Insofern ist die „Tranoï“ eine relativ demokratische Institution im offiziellen Gefüge, spannend und sehr zeitgeistig allemal. Und, erinnern wir uns, auch Namilia entdeckten wir erstmalig in der Popup-Minimesse Dach Showroom (Paris FW SS2020), da waren sie noch Avantgarde.
Diese Saison hat die Modefachmesse Tranoï das offene Konzept zugunsten einer vorangelegten Wegstrecke erneuert, das vereinfacht die Orientierung allerdings nur wenig, wenn man entdeckt, zurückkommt, spontan erkundet. Aber länder- oder kontinentmäßige Gruppierungen sind geblieben und sehr aufschlußreich im System. Neben Kleidung nehmen Accessoires einen großen Stellenwert ein, auch dafür ist die ruhige Betrachtung gegenüber den schnellen Schauen ein echter Gewinn.
Mit all den vielen spezifischen Auskünften der Designer selbst zu den Kollektionen verbleibt mit dem Besuch unterm Strich eine großartige Vielfalt, unaufgeregt aber hochklassig und einfallsreich, deren moderner Zeitgeist allemal realistischer und universaler daher kommt, als ein paar erkämpfte Schauenbesuche. Und die Messe ist groß, das Angebot unendlich – wir zeigen darum wie immer ein paar subjektiv zusammengestellte Beispiele, unkommentiert.
AANRO studio, Ungarn:

ACHI, Ukraine:

ARTAVAZD PARIS, USA:

ANTÙRA, Italien:

CONNADE,Südafrika:

GABRIELE FRANTZEN, Frankreich:

GREVI, Italien:

GUGUBYGUGU, Südafrica:

HESTER VAN EEGHEN, Niederlande:

JLYNCH, Brasilien:

KATA SZEGEDI, Ungarn:

KIRIKO SATO, Frankreich:

LATE FOR WORK, Marokko:

MADISO, Vereinigte Arabische Emirate (Dubai):

MIA PERU, Peru:

MILONA, Frankreich:

NALEBE, Nigeria:


STUDIO NAMNYAK, Kenia:


SARAH MAJ, Marocco:

SENORITA, Großbritannien:

SUSANNE BOMMER, Deutschland:

THE FOUR, Ungarn:

THEA MIKA, Deutschland:
VALTADOROS, Griechenland:

VIVYINROSA, Italien:

ZILLA, Italien:

*Das Vorschaubild ist das offizielle Plakat der Veranstaltung