Thomas Hanisch – EXOS

Thomas Hanisch – EXOS

Berlin Fashion Week AW2026 – M60 Die Macherei

Bilder: Andreas Hofrichter

Text: Gerhard Paproth

 

Gottseidank gibt es sie noch, die gestaltungsverliebten Traumtänzer in Zeiten grauer Niedergeschlagenheit und zeitgeistiger Dekonstruktion. Thomas Hanisch ist ein solcher, der, nach vielen Jahren Schauen-Pause nun diesen Gestaltungsansatz über die Zeiten rettet und dabei alle pragmatischen Ansprüche an Modedesign aussen vor läßt, soweit sie die Fantasie bremsen.

Hanisch ist auch nicht an Begrenzungen durch zeitgenössische Strömungen interessiert, vielmehr ist er aufgeschlossen für alle Stilismen von Art Deco, Jugendstil über Gothic bis hin zu Futurismen. Das spiegelt sich auch in der Begleitmusik, die von Carl Orff am Anfang über viele komplexe und intelligente Technorhythmen bis zu Camille Saint-Saëns Karneval der Tiere reichte. Er hat seine exzentrische Formensprache seit 2013 sehr kreativ ausgebaut und denkt seine jeweiligen Erscheinungsbilder sehr individuell und in allen Bestandteilen komplett, alle Varianten von Schmuck, Frisuren und Makeup und sogar auffälliger Fingerschmuck sind gerne genutzte und wichtige Optionen. Die damit anspruchsvoll ausgefeilte Gesamtgestaltung ist stets als Unikat konzipert und die Fantasie reicht für eine große Vielfalt der Erscheinungsbilder. Besonderes Interesse richtet er neben der skulpturalen Form auf Materialien, also Texturen und Oberflächenspezifika. Er spielt darüber hinaus mit durchscheinender Spitze und dicken Materialien, die aber auch immer delikat wirken.

Die Lust, die Grenze dessen zu erweitern, was Mode kann und darf, führt stets zu exzentrischen Statements, nicht umsonst sind Lady Gaga und Company begeisterte Kunden, mit jedem Erscheinungsbild ist ein beeindruckender Auftritt und große Betrachtungsfreude garantiert. In der Schau wird die auch mit der sehr langsamen Bewegung der Modelle in großen Abständen ausführlich ermöglicht. Das feiert jedes Outfit angemessen und stellt gleichzeitig die gewohnt hochdynamische Rennerei über Laufstege infrage. Praktisch gesehen gibt das reduzierte Tempo auch Kontrolle über die sehr langen, bodenverbundenen Kleider zurück und bremst die gewohnte Flüchtigkeit der Handywahrnehmung zwingend aus. Wahrnehmung in Ruhe und ausführlich.

Natürlich denkt der Betrachter auch an eine Übertragung in die Realität, und damit sieht es nicht so aus, als ob die vielen exzentrischen Auswüchse in den gegenwärtig erlebten Alltag transportiert werden könnten, wie es in den Zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts tatsächlich möglich war, zumindestens für Abendveranstaltungen und Film, Exotica, die Wahrnehmungsgewohnheiten prägten und das eine oder andere alltagskomptibel machten. Oder wie in den 80ern, wo auch viele Verrücktheiten in die allgemeine Kultur eindringen konnten. Heute bleiben solche Bizarrerien etwas abseitiger Luxus, leider, aber Haute Couture ist eben wunderbar, wie auch diese Kollektion.