Stadtentwicklung und Mode

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Freiburg Fashion Days

Text & Bilder: Boris Marberg

In Zusammenarbeit mit der FWTM* stellte der Freiburger Einzelhandel mit weiteren Kooperationspartnern erstmals über mehrere Tage hinweg ein Programm auf die Beine, um im Bereich Mode eine Präsentationsplattform für den Einzelhandel zu schaffen – die Freiburg Fashion Days.

(Bildimpressionen von den Modeschauen am Ende des Artikels)

Bereits seit vielen Jahren sind die meisten Innenstädte mit einem gravierenden Strukturwandel konfrontiert, ein Phänomen, das nicht nur Deutschland betrifft. Der inhabergestützte Einzelhandel in seiner ursprünglichen Vielfalt und Individualität blutet aus und wird zusehends durch große Ketten mit ihren einheitlichen Sortimenten und deren monotonen äußeren Erscheinungsbildern ersetzt. Traditionell prägte vorher in vielen Innenstädten eine bunte Vielfalt an Modegeschäften das kaufmännische Leben. Neben den kleinen, inhabergeführten Boutiquen sind in den vergangenen Jahren auch die größeren Häuser zusehends unter Druck gekommen und insbesondere die im Sortiment weit aufgestellten klassischen Kaufhäuser sind nun in der Existenzkrise. Die letzten Jahre der Pandemie, der Online-Handel, andere Präferenzen beim jungen Publikum und die aktuelle Kriegssituation mit dem einhergehenden Kostendruck setzt zusehends dem Handel zu und zwingt in Bezug auf die Attraktivität und Vitalität der Innenstädte zum Handeln.

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In Freiburg hat man sich deshalb dazu entscheiden, den Handel zu vernetzen und im Rahmen der „Fashion Days“ mit einer Vielzahl von Veranstaltungen und Angeboten die Attraktivität des lokalen Handels herauszustellen, und damit in der Zeit vom 14. bis 17. September Kundschaft in die Innenstadt zu locken und den Modegeschäften neue Impulse und Möglichkeiten anbieten.

Freiburg wird nachgesagt, es sei nicht gerade eine Stadt, deren Bevölkerung sich an zeitgenössischen Strömungen in der Mode orientiert beziehungsweise sich mit solchen identifizieren kann. Vielmehr sei der typische „Freiburger Look“ funktional, pragmatisch der Landschaft und Natur entsprechend sportlich auf Freizeit ausgelegt, oder würde die klassischen Bedürfnisse des beruflichen Alltags bedienen. Es ist mühsam dies zu widerlegen oder verifizieren zu wollen, letztlich trifft diese Pauschalisierung wohl auf fast alle Städte in Deutschland zu, die nicht zu den Metropolen gehören. Der deutsche Einzelweg in Sachen Mode ist wie er ist und vielfach beschrieben und auch der Handel mit Mode in den Städten ist wie er ist und mit diesen Problemfeldern konfrontiert – es gilt das Beste draus zu machen, was an Potential vor Ort vorhanden ist. Zaubern kann niemand.

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Entsprechend ist die Veranstaltungsreihe auf die Endkunden ausgerichtet und der Handel präsentiert aus dem aktuellen Sortiment heraus. Ein regionaler Bezug wird durch die Vorstellung einer Handvoll Labels aus der Region hergestellt. In den jeweilig teilnehmend Geschäften finden kleine Veranstaltungen statt und an zentraler Stelle hat man im ehemaligen Damenmodenhaus Kaiser einen Raum, in welchem „Pop-UP Stores“ präsentieren und verkaufen. In diesem ehemaligen, renommierten Modehaus finden auch Modenschauen statt – klassische Kaufhausschauen, wie man sie aus der Zeit bis in die 1980er aus den Kaufhäusern vielleicht noch kennt – also ein Format, an das sich ältere Semester noch erinnern. Ebenso sind Modeschauen gleicher Art unter freiem Himmel am Münster und im Colombi-Park vorgesehen.

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Ausgehend davon, was ein vitales Stadtleben ausmacht, stellt sich die Frage, welche Kundenklientel mit welchem modischen Selbstverständnis angesprochen werden soll und welche Geschaftsklientel wünscht man sich aus der Perspektive der Stadt als Anbieter für eine kulturellen Plattform anschaulicher Lebensentwürfe? In welche Richtung erwartet man hier Impulse für eine lebendiges und kulturell reichhaltiges, vielschichtiges städtisches Leben? Mode(-design) als Kulturgut findet sich nicht eigenständig oder als Annex im Kulturkonzept der Stadt Freiburg, das verwundert nicht, denn auch andere Städte mit ausgeprägter, schöpferischer Modeszene tun sich hier immer noch schwer, wenn sie im Komplex Mode aktiv werden wollen. Mode wird landläufig als alltägliche Begleiterscheinung gesehen, selten als kulturell-soziales Thema, fast nie als eigene Sparte von Kunst. Konsequent verharrt man deshalb auf dem kommerziellen Ansatz und bespielt dieses Terrain mit den entspechenden Werkzeugen.

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Dabei ist Mode schon immer viel mehr, ein Spiegel der Gesellschaft und der Milieuzughörigkeit. Sie drückt (bewusst, oder unbewusst) eine Haltung, eine Gesinnung und ein Lebensgefühl aus – und natürlich noch viel mehr.

Konkret besteht, wie oben erwähnt, neben der Vielzahl der Veranstaltungen der einzelnen Geschäfte der Freiburger Innenstadt noch im ehemaligen Damenmodenhaus Kaiser ein vielgestaltiger Pop-Up Store. Dabei hat man als Kooperationspartner das Unternehmen FAEX (Fashion Exchange) mit im Boot. Damit wird jungen Modeschaffenden eine Plattform angeboten, wie bei einer Musiktournee in mehreren Städten bei einheitlichem Konzept ihre Mode zu präsentieren und zu verkaufen. Nach dem Aufenthalt in Freiburg wird das Programm von FAEX im Anschluss vom 20. bis 24. September in Heilbronn präsentiert werden, mit zahlreiche Modelabels aus Berlin und Polen neben ein paar wenigen aus Baden-Württemberg.

* Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH & Co. KG

 

Impressionen von einer der Modeschauen im Colombi-Park

 

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