Berlin Fashion Week AW2026/27 – RAUM.Berlin, Eichhornstrasse
4. Tag
Bilder & Text: Gerhard Paproth
… where does the runway end. Am letzten Tag der Fashionweek wohl auch im RAUM.Berlin. Nachdem zwölf Designer an diesem Ort mit diesen Leitfragen ihre Kollektion mit experimentellem Format vorgestellt haben, wird deutlich, dass hier ein gutes alternatives Format kreiert wurde, das viele von ihnen optimal und kreativ zu nutzen wussten. Zu den spektakulären gehörte auch Karin Brettmeisters Ritual Unions mit einem tableau vivant, das wirklich Spass machte, sowohl den Darstellern als auch dem Publikum. Ein Bankett, angerichtet für Frauen, die in den edlen Dessous beziehungsweise Brautkleidern des Labels erscheinen. Ähnlich wie Bildwelten (und Lifestyle-Fantasien) von Ellen von Unwerth und von Agent Provocateur entwirft Ritual Unions hier eine lebendige Anschauung ihrer modernen, alternativen Braut- und Couture-Kleider, die fast übergangslos aus edlen Dessous erwachsen und genau an dieser Schnittstelle Individualität, Einstellung und Selbstdarstellung ansteuern. Schwerpunktmäßig ist die Kollektion an Frauen gerichtet, aber nicht ausschließlich, und sie feiert den vergnügten Eros der Weiblichkeit, der in der Produktion stets individuell ausgelegt wird. Das tableau vivant (lebendes Bild) war im ausgehenden 19. Jahrhundert groß in Mode und es dürfte, wenn es kreativ angelegt ist, durchaus als Leitformat für die RAUM.Berlin-Präsentationen attraktive Wiederauferstehung feiern. Wenn es gut war, war es allerdings auch sehr aufwändig, aber auf heute bezogen und verglichen mit schlicht inszenierten Runwayshows kann das die bessere Entscheidung für Modedesigner sein. Das verbundene Lebensgefühl lässt sich besser szenisch evozieren und im Vergleich zum oft eigentümlichen Schauen-Großaufwand der großen Luxusmarken auch überschaubar finanzieren.
Letztlich hat jedes teilnehmende Label eine eigene Idee zur Konstellation einer Installation entwickelt, die zum jeweiligen Selbstverständnis des Modemachens passt, mal erscheint das dann spektakulär, mal weniger. Das ist nicht nur eine Frage, wie man jenseits der Mode auch kreativ denken und konzipieren kann. Es erfordert zuerst eine bewußte, eher konkrete Lifestyle-Philosophie für die eigene Mode, die eine fantasievollere, anschaulichere Lebenswelt im Kopf des Designers voraussetzt, als viele sich das gemeinhin vergegenwärtigen. Diesen Abstraktionsschritt haben früher Werbeagenturen mit Werbespots und Werbebildern übernommen. Hier macht das das Label selber.
Und, das ist wohl ein weiterer Vorteil, mehr Publikum kann dichter an den assoziierten Lifestyle herangeführt werden, als auf einer Catwalkschau.





Die exzentrischen und auch futuristisch anmutenden Kollektionen von Maximilian Gedra verstehen sich als skulpturale Kunstwerke und sollen auch wie solche erscheinen. Sie sind eher selbstbezogen und darum als monolithische Positionierungen jeweils für sich gestellt. Man erwandert diese Arbeiten wie Kunst im Museum von Piece zu Piece, jedes eine selbstbezogene Inszenierung für sich, die höchstens mit Licht und bizarren Accessoires (vorwiegend Headpieces) intensiviert wird.







Das Label Sveasøn von Svea und Shirin aus Hamburg gibt sich dagegen vergnügt, kommunikativ und gestalterisch bodenständiger. Die Figuren bevölkern entsprechend locker verteilt den Raum, abwechslungsreich, muster- und farbenfroh. Zusammen ergibt sich für die Mode ein großer Mix aus Materialien, Gestaltcollagen, Mustern, fantasievollen Bildzeichen und auch kleinen Scherzen, der gute Laune suggeriert. Diverse handgetöpferte und bunte Objekte dazwischen verweisen auf unprätentiöses „Gestalten mit den eigenen Händen“ und ergänzen die Vorstellung von einem bunt-fröhlichen Leben.





