Berlin Fashion Week AW2026 – DSTRCT Club
Text & Bilder: Boris Marberg
Das Berliner Label Heroin Kids von Christian Kaiser und Corinna Engel präsentierte passend in einem typischen Berliner Club. Wer in den 1990er Jahren seine Jugend verbracht hat, wird bei dem subversiven Hauch von Grunge schmunzeln und sich freuen, dass es diese Lebensart zwischen Provokation, Wildheit und sexueller Selbstbestimmung in einer durchkommerzialisierten Gesellschaft mit einem durchdringenden Instagram-Lifestyle als Gegenentwurf noch gibt. Wenn nicht in Berlin, wo sonst wäre sie so authentisch? Im Kern wird hier eine Sehnsucht nach Authentizität in einer Welt, die von Perfektionismus, Selbstoptimierung und digitaler Inszenierung geprägt ist, gezeigt. Menschen, die sich hiermit identifizieren, wenden sich bewusst von Hochglanzästhetik ab und suchen das Ungefilterte, das Unfertige, das Echte. Und das Eigene. Dysfunktionales Verhalten zeigt sich in Aussagen wie: „Ich mache nicht mehr alles mit“, was weniger aggressiv, dafür umso konsequenter wirkt.
Das Unperfekte wird zum Stilmittel, und die Kleidung wirkt bewusst unfertig mit übergroßen Schnitten – nicht, weil man „lässig wirken“ will, sondern weil das Unpolierte als ehrlich empfunden wird und etwas darstellt, wozu man persönlich steht.
Die Entwürfe sind geprägt von applizierten Flächen mit Statement-Skizzen auf Tops bis hin zum Katzenbild, schimmernd metallischen Jacken, auch bauchfrei, und vielen schweren Stiefeln. Die Stoffe sind manuell bearbeitet, durchlöchert, oft asymmetrisch konzipiert. Es wird mit Transparenz gespielt und viel Haut gezeigt, bei einem wilden Materialmix. Das kommt greifbar und echt daher.


























