POSITIONS Kunstmesse 2025, Berlin Tempelhof H5
Bilder und Text: Gerhard Paproth
Auf der 13. Positions im historischen Flughafen Berlin Tempelhof stellt das Kuratorenduo Diandra Donecker und Dao Tran im Hangar 5 zweiundzwanzig Modedesignlabels beziehungsweise Modedesigner für den eigenen Bereich FASHION POSITIONS 2026 vor. Wie schon in den Jahren zuvor oszillieren die Arbeiten, meist Installationen, zwischen künstlerischer Kreativität und Modehandwerk und suchen, dieses Jahr besonders, auch in den Blick zu rücken, wie Mode heute verstanden, konzipiert, produziert und erlebt wird.
Dabei begreifen die Modemacher ihr Tun als eigenständige künstlerische Disziplin, was allerdings unterschiedlich gut überzeugt. Hier fungieren Kleidungsstücke und Textilien als Rauminstallationen, skulpturale Objekte und gesellschaftspolitische Statements. Letztere sind dieses Mal gefühlt auffälliger vertreten als bisher, sogar die künstlerisch ambitionierteste Vertreterin, Esther Perbandt, verzichtet dieses Jahr weitgehend auf ihren ästhetischen Focus zugunsten eines moralischen Nachhaltigkeitsappels. Impari versucht dagegen, den Recyclinggedanken zu visualisieren, das mutet ein bisschen wie Schülerkunst an.
Während einige Teilnehmerinnen tatsächlich den Raum als solchen besetzen wie Carolin Dieler, Impari oder Rudzki und Kramer, nutzen andere ihn lediglich, um Kleidung an Puppen darin auszustellen oder Objekte in Bezug zu Bildern zu stellen (zum Beispiel V_Collective, Yccij + Maurer, Stefan Uhr, Uraomote). Manchmal als visuelle Interpretation, immerhin, begründet mit einer kleinen Geschichte oder einem Erinnerungsmoment.
Der häufigste Bezug zu Kunst ist naturgemäß der skulpturale, der mal mehr (Maximilian Gedra, Nicole Kiesel, Cruba x Uli Aigner, Selva Huygens) und mal weniger (Bodach, Vreni Jäckle) abstrahiert wird.
Andere bleiben einfach dicht an ihrer Designphilosophie und arrangieren ein paar Objekte dazu (zum Beispiel Plaid-à-porter).
Jenseits dieser Annäherungen gibt es aber auch ganz spezifische Kreationen, die konzeptionell sehr künstlerisch denken, Elodie Carstensen mit ihrem Bassin etwa, wo die Kleidung wie Undine-Assoziationen auf und unter dem Wasser liegt, oder Lithium Oak mit den gestalteten, fast zu Horror neigenden Visionen zu Schwangerschaft und damit verbundenen Ängsten. Human Touch (Juliet Seger) dagegen entwirft ihre Mode an sich schon mit zugrundeliegender künstlerischer Ambition, ihre Kleidung trägt die akzentuierten Spuren des Handwerks als spezifischen ästhetischen Ausdruck mit gewisser Eindringlichkeit. Sie war damit aber schon besser auf der Positions 2023 vertreten und verzichtet leider auch auf ein weiterführenderes Präsentationskonzept.
Sehr spannend kommen die Haar-Skupturen bei Nicole Kiesel daher, einerseits, weil Haar eine eigene Aura des Noch-Lebendigen und des Mythischen umgibt, andererseits weil die Gestalten aus dünnen Linien einen großen grafischen Reiz entfalten. Auch Vreni Jäckles angenagelte Skulpturen aus körpernahen Textilien wie Strumpfhosen evozieren ein etwas beklemmendes aber auch originelles Eigenleben.
Wie schon die vorausgehenden Jahre sieht man nicht wenige lockere Arrangements und Gedanken illustrierende Erweiterungen normaler Modegestaltung, eher entfernt von künstlerischem Denken und deutlich zu Dekorativem neigend – das kann man hier genauso bedauern wie beim Ausstellungsabschnitt der Galerien, wo einem das mindestens genauso häufig begegnet.
Bodach:
Threads: Interwoven in One Voice, 2026, Installation

Lilian Brade:
Artista Grottesca, 2026, Performance



Elodie Carstensen:
Void, 2026, Installation

Carolin Dieler:
Floating Through Keepforest, 2026, Installation

Maximilian Gedra:
The Swarm, 2026, Installation


Human Touch:
Artefacts, 2025,Kleidungsinstallation


Impari:
What Remains – The Weight of Consumption, 2026, textile Installation

Vreni Jäckle:
The Barriers Elasticize, 2026, Installation

Nicole Kiesel:
Haararbeiten, 2026, Installation, (Pferdehaar)


Cruba x Uli Aigner:
One Million, 2026, Porcelain Vessels And Textile Designs


Lithium Oak:
The Crib, 2026, Kleidungsstück I Archaic Mother, 2026, Kleid


Maqu:
Espazio Cacao, 2026, Installation

Müller + Faber:
Step into Escapist Garden, 2026, Installation

Esther Perbandt:
The Distance of a Jacket, 2026, Installation


Plaid À Porter:
Fading (is) Beauty, 2026, freistehende Installation

Rudzki + Kramer:
Traces of Matter, 2026, Installation


Tutia Schaad:
The White-T, 2024, Installation

Selva Huygens:
Aerospatial,2026, Installation


Stefan Uhr:
Ornelias Blumen, 2026, Prozessinstallation


Uraomote:
Freiraum und Linie, 2026 Tapisserie, Kleidung

V_Collective:
Echoes of Tomorrow, 2026, Modekollektion


Yccij + Maurer:
Im Abdruck, 2026, Installation


Malecka + Müller:
One Person One Voice. A Photographic Series Amplifiing Voices on Mental Health in Fashion., 2025, fotografische Serie

