Ausstellung La Galerie Dior, Paris
Bilder und Text: Gerhard Paproth
Die Ausstellung in La Galerie Dior besteht im Wesentlichen aus zwei Abschnitten, dem 4 Etagen hohen, großen Panoptikum mit zum Teil verkleinerten Exponaten im Treppenhaus und der Ausstellung historischer Exponate in den abzweigenden Räumen. Diese wurden teilweise mit vielen Fotos von Peter Lindberg reflexiv ergänzt. Das erweist sich nicht nur in der Nebeneinanderstellung der Arbeiten zweier Stars derselben Branche als spannend sondern es ist eine gegenseitige Bereicherung in der jeweiligen konkreten Bezugnahme der Kleider und der Modefotografie. Das Haus Dior und Lindbergh pflegten enge Beziehungen, zwischen 1988 und 2018 fotografierte Peter Lindberg die Dior-Kollektionen. Die Ausstellung zeigt mehr als Hundert Abzüge aus oft legendären Serien von Harper’s Bazaar bis Vogue, aber auch bislang unveröffentlichte Bilder. Dazu gehören die Bilder für Dior aus New York von 2018. Modedesign und Fotografie stets im Sinne der Schönheit und Einzigartigkeit der Frau.
Die Kleidungs-Exponate sind meist in jeweils gestaltete eigene kleine oder auch größere Installationen eingebettet, mal nüchtern, mal surreal, oft nun auch auf Bildkorrespondenzen ausgelegt. So wird die Wahrnehmung der eleganten Modestücke mit den Fotos vom Kunstwerk zur praktischen Realität hin erweitert, denn in den Motiven stecken dann echte Menschen (Modelle) mit Emotionen, die sich nicht selten auch in einer echten, meist urbanen Welt aufhalten und bewegen. Und es wird eine künstlerische Inszenierung gezeigt, die die Mode noch einmal aufwertet oder sie im Kontext (scheinbarer) Normalität nahbarer macht. Wenn Modefotografie eigentlich dienendes Handwerk ist, so ist die von Peter Lindberg dienende Kunst, die, wie man hier gut beobachten kann, oft auf Augenhöhe mit dem Modethema interagiert.
Gianfranco Ferré pour Dior – Tilbury, 1989 (mit Foto Peter Lindberg), 1989
La Galerie Dior gibt es erst seit 2022, also 75 Jahre nachdem die erste Christian Dior Kollektion gezeigt wurde. Sie ist eine Ergänzung zum Musée Christian Dior in der Villa Les Rhumbs (Granville) in der Normandie. Vorgeführt wird hier im Herzen von Paris, exemplarisch und mit Highlights, der typische und avantgardistische Sinn des Haute-Couture-Modedesigns von Christian Dior und seinen sechs Nachfolgern, Yves Saint Laurent, Marc Bohan, Gianfranco Ferré, John Galliano, Raf Simons und Maria Grazia Chiuri. Entsprechend ist das ganze Ausstellungsdesign edel und von erlesenem Geschmack geprägt.
Man startet den Besuch vom Fahrstuhl aus in der 4. Etage und bewegt sich nach unten. Das große Treppenhaus mit vornehmer Wendeltreppe führt entlang der sich über alle Stockwerke erstreckenden Sammlung in riesigen Glasvitrinen an der Wand, farblich abgestuft über alle Töne mit unzähligen Exponaten, die Accessoires in Original und die Kleider in Verkleinerung nachgebildet. Schnell verliert sich das Auge in einem Kosmos kreativer Schöpfungslust und großer Eleganz – liebevoll zusammengetragen und arrangiert.
„Modedesigner erschaffen eines der letzten Refugien des Wunderbaren. Sie sind in gewisser Weise Meister der Träume …“
Dieses Zitat von Christian Dior leitet den anderen Teil der Ausstellung ein, der in verschiedenen Abschnitten illustrierten Lebenslauf, Grafik, Schmuck und Parfum, Film, Presseexemplare, historische Fotos und auch mal nur groß- und kleinformatige Fotos von Lindberg zeigt.
Geschichte:
aus Kollektionen:
Christian Bérard – Bar (Corolle Linie), 1947
Maria Grazia Chiuri pour Dior – We should all be feminists, 2017
John Galliano pour Dior – Alcée, 1997
Maria Grazia Chiuri pour Dior -Numéro 439, 2021
Gianfranco Ferré pour Dior – Eden, 1992
Christian Dior – Création speciale Haute Couture, ca. 1950
(im Hintergrund Diors Geburtshaus und jetziges Museum)
John Galliano pour Dior – Diorine, 1997
Yves Saint Laurent pour Dior – Chat noir, 1960
John Galliano pour Dior – Pricesse Lucknow, 1997
Gianfranco Ferré pour Dior – Soleils d’automne, 1991
John Galliano pour Dior – Pricesse Bangalore, 1997
Christian Dior – Ballkleid
Blick von oben ins Atelier:
In einem Saal wird Couture in Reinweiß präsentiert. Sie ist eine Vorstufe zu der Ausarbeitung der Ateliers, formale Probeexemplare, die sich auf die Silhouette, das Volumen, den Schnitt und die Architektur allein konzentrieren, also quasi auf die skulpturale Form. Es sind stets Baumwollstoffe, die danach verwendeten Textilien wurden in einem eigenen Schritt ausgesucht. „Die Couture ist in erster Linie eine Hochzeit der Form mit dem Stoff“ (Ch. Dior). In etwa einem Monat entstanden die Kollektionsentwürfe und in wenigen Wochen wurden sie in den Hausateliers mit minutiöser Feinarbeit hergestellt.
Bilder Peter Lindberg für Dior:
Videocollage und Standbild aus Kinofilm:
Schmuck und Accessoires:
Coffret rouge Dior präsentiert für Jane Russel 1954,
darin enthalten die Obélisque-Version für die Friseuse und 14 Rouge-Schattierungen
Ballkleider aus verschiedenen Dior-Kollektionen:
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La Galerie Dior
11 rue François Premier 75008 Paris Ausstellung bis 4. Mai 2025