Paris Fashion Week aw2027 – Palais Brongniart, Paris
Bilder + Text: Gerhard Paproth
Die internationale Messe Tranoï Paris, die die Paris Fashionweek begleitet, bietet stets einen Einblick in internationale Strömungen – daraus lassen sich zwar regionale wie auch diverse allgemeine Trends ableiten, allerdings findet man hier kaum junge Newcomer beziehungsweise Avantgarde.
Die jungen Newcomer haben es ja auf der Pariser Fashionweek ohnehin schwer, sie müssen für eine offizielle Schau vorher schon anderswo erfolgreich sein wie zum Beispiel als Preisträger aus Hyères oder von ihren Ländern oder Potentaten protegiert und lanciert. Sie tauchen bestenfalls auf kleinen, wenig beworbenen Showrooms überall in der Stadt auf und werden höchstens von den angereisten Fashionistas und Influencerinnen besucht, die sich vorher einen entsprechend aufwändigen Plan gemacht haben und die zu den großen Schauen ohnehin keinen Zugang haben.
Aber diese Fashionistas prägen die Fashionweek in der Stadt. Sie frischen hier das Bild angenehm auf, obwohl sich Paris als Modestadt ohnehin stets stilvoll präsentiert (ganz im Gegensatz zu Berlin, das sich eher entgegengesetzt positioniert und als Modestadt in diesem Sinne auch keine Zukunft haben kann).
Insofern ist in Paris die Fashionweek mittlerweile von verschiedenen Szenen geprägt, die Einkäufer aller Niveaus, die Fashionistas und Influencerinnen und die offizielle Haute Couture.
Tranoï Paris als kommerzielle Messe zielt auf die internationalen Einkäufer mittleren Niveaus und erweitert das Spektrum auf internationale Positionen. Vor Ort in der ehemaligen, prächtigen Börse konzipiert sie sich inzwischen als Labyrinth mit unzähligen Zwischenwänden und einer vorgegebenen verschlungenen Route, die dem Besucher bei freier Bewegung endlose Wege abfordert, den Gesamtblick auf die schönen großen Räumlichkeiten versperrt und die ursprüngliche Offenheit des Ganzen damit leider aufgibt.
Es gibt, wie stets, einen Länderschwerpunkt, diese Saison war das Afrika, der Kontinent ist nun überall auf dem Modevormarsch. Hier sind die Labels oft jung. Ihre Designer bringen frische Farben, spannende handwerkliche Traditionen und nicht selten fantastische Crossovers moderner Designströmungen zusammen. Ihre Ansätze sind kosmopolitischer als anderswo und darin eingebettet ist ein kultureller Stolz auf eigene Traditionen, der stets nach vorne gerichtet und grundsätzlich ökologisch grundiert ist. Bei den Accessoires erscheinen diese Ambitionen besonders ausgeprägt.
Neben der Internationalität versammelt die Messe aber auch viele exzentrische Ideen, die zwischen eher konventionellen Ansätzen aufleuchten. Die Vielseitigkeit und Offenheit in der Modegegenwart ist sicher die wichtigste Qualität von Tranoï Paris, die durchaus auch noch Trends erkennen lässt. Die bestehen, nach unseren Beobachtungen, vorwiegend in raffinierten Applikationen, häufig aufwändig gestickt oder aus losen, bewegten Elementen, gelegentlich ist das auch befestigter, schillernder Schmuck. Das Label Minime Paris führt das zum Beispiel besonders üppig und exzessiv vor. Folkloristische Muster und Dekorationen haben auch ein kleines Revival, nicht wirklich hippiemäßig, aber doch auch mit romantischen Wirkungsaspekten – letztere besonders ausgeprägt bei den indischen und indonesischen Labels. Große modephilosophische Ansätze wie Dekonstruktion oder extrem raffinierte Schnitte treten stark zurück und geben Platz für Opulentes (besonders bei Schmuck), für Spass, Blingbling oder romantisierende Blümchenmuster.
Diese Eindrücke finden sich dann aber wenig im modischen Pariser Stadtbild. Das ist eher geprägt von pfiffig geschnittenen, superkurzen Röcken (viel Beinzeigen ist wieder angesagt), durchweg gut geschnittenen Hosen (auch bei Männern) von extrem large bis hauteng und von Oberteilen, die mitnichten an bedruckte T-Shirts vergangener Saisons erinnern. Dazu stets unaufdringlich coole Jacken, soweit das Wetter sie sinnvoll macht. Kopfbedeckungen sind wieder vorsichtig im Kommen, Kapuzen im Gehen. Sportschuhe sind noch immer die Basic-Schuhbekleidung, dennoch beobachten wir, dass die Gestaltung Abschied nehmen will vom american Turnschuhtyp und elegantere, neue Designlösungen sucht. In Paris sieht man den schlampigen Pyjama-Jogginglook leider immer noch in der Metro, besonders bei jungen Männern, aber auch davon scheint die Modegestaltung in naher Zukunft endlich Abschied nehmen zu wollen. Die Rapper, die auf den Straßen und Plätzen ihre Akrobatik vorführen, tragen das kaum noch. Wiedergeboren sind allerdings, leider, die Wurstpellen-Hosen der 80er Jahre bei jungen Frauen, wenn auch meistens in schwarz und nicht neonfarben.
So gesehen ist der Gesamteindruck, den die Pariser Fashionweek hinterläßt, schon sehr uneinheitlich. Dass Paris noch immer die Modestadt schlechthin ist, bleibt trotzdem unübersehbar.
Mit über 200 Labels bietet Tranoï Paris ein geradezu unüberschaubares Spektrum stilistischer Positionierungen und unsere kleine Dokumentation kann darum eine gewisse Beliebigkeit nicht ausschließen, wie immer.
Angela Brito, Brasilien:

Aseho, Madagaskar:

Maxhosa Africa, Südafrika:

Oshobor, Nigeria:

Yasss Handmade, Africa:

Baselua, Italien:

Beleh, Indien:

Frantic, Italien:

Jenne, Japan:

Kiska Lab, Frankreich:

L’Eight Studio, Frankreich:

Lisa C, Italien:

Luozheng, China:

Minime Paris, Frankreich:

Nagita Slavina, Indonesien:

Ode To Odd, Indien:

Papucei, Rumänien:

Positano Couture by Blitz, Italien:

Rara Avis, Indien:

Soraya Creations Mode, Vereinigte Arabische Emirate:

Susanne Bommer, Deutschland:

Tako Mekvabidze, Georgien:

Valtadoros, Griechenland:


