Berlin Fashion Week ss2027 – Lobe Bau
Text: Gerhard Paproth
Bilder Boris Marberg für BFW
Das Trommeln mit Nachhaltigkeit gehört zum angesagten Ton der Berliner Fashionweek, noch immer, obwohl die eigentlich schon zur Selbstverständlichkeit geworden ist und in ihren vielseitigen Facetten allen Designern und Labels zu eigen ist. Mit Marie-Louise Müller als Vertreterin von „Slow Fashion“ kommt nun noch eine weitere, junge Protagonistin hinzu.
An dem Reigen beteiligt war sie schon bei der Positions ’25 und beim Berliner Salon, mit dieser Schau im offiziellen Programm tritt sie mit einer Kollektion namens Escapist Gardens nun stärker in den Vordergrund. Besonders auffällig an den Arbeiten sind viele raffinierte Strickexperimente, auf sehr unterschiedliche Weise dekorativ konzipiert und auf meist klassische Schnitte beziehungsweise Silhouetten angewendet. Themengerecht oft floral assoziierend wird die Gesamtgestalt wie ein großes Relief angelegt, Blüten werden aber auch kombiniert mit herkömmlichen Kleidern, die dann oft mit entsprechenden Applikationen versehen sind. Dazu kommen gelegentlich mal lustige Einfälle, wie zum Beispiel das „Schlauchkleid“ aus Gartenschlauch oder ein mit Strohüten besetztes weißes Kleid. Solche humorigen Einlagen tun dem Ganzen gut, denn das mit Ernsthaftigkeit besetzte Thema Slow Fashion als Aufforderung, das Konsumdenken zurückzustellen, fördert eben auch manchmal eine stereotype Alternativ-Klassifizierung im Sinne von dröge.
Dem entzieht sich Marie-Louise Müller mit einfallsreichen und eben auch manchmal launigen Erscheinungsbildern und mit verschiedenen Herangehensweisen, die Strick- und Häkelwear aus dem Klischee in lebendige Wirkung überführen. Dass Strick mit wärmenden Wirkungen assoziiert wird, unterläuft die Designerin mit viel Offenheit im Gewebe, mehr noch aber mit vergnügt-sommerlichen Lockerheiten und oft auch mit erfrischender Farbgebung. Oder sie löst es mit offenen Häkelstrukturen. Außerdem werden übliche sommerliche Textilien wie Seide und Leinen mit gestrickten oder gehäkelten Applikationen – Blüten, Tierchen – oder mit Bast – Bastrockassoziation – optisch aufgepeppt. Sogar ein Männeroutfit erscheint so und lässt offen, ob das eine ironische oder einfach nur eine spritzige Idee ist.
In diesem Esprit steckt die eigentliche Qualität der Kollektion, jenseits des handwerklichen Aufwands, seiner Raffinessen und eines konventionellen Dauerhaftigkeits- und pragmatischen Tragbarkeitsprinzips, nämlich in der lustvollen Vergnügtheit, die die Sachen ausstrahlen. Und gute Laune in das Prinzip Slow Fashion aus Strick und Häkel zu verankern, fügt dem modepolitischen Anliegen noch einen wichtigen Sympathieanteil hinzu.
Die Wahl der Location und die Offenheit in Sonne und Grün auf den zwei Top-Terrassen des Lobe Baus war ebenfalls sympathisch (wenn auch kurz duch ein Gewitter bedroht), was schon von vornherein gute Stimmung im Publikum auslöste. Hut ab für diesen Einstand!



















