Orange Culture – Water Will Carry Us

Orange Culture – Water Will Carry Us

Berlin Fashion Week SS2027 – ICC Gelände

Bilder: Andreas Hofrichter

Text: Gerhard Paproth

 

Mit einer leuchtenden Kollektion ist Orange Culture wieder auf der Fashionweek Berlin vertreten, die den Titel „Water will carry us“ trägt. Eine Referenz auf Makoko, die historische Hafengemeinde von Lagos, die als Zeichen für Widerstandsfähigkeit, Anpassung und Überleben verstanden wird.

Orange Culture versteht Makoko sowohl als Schauplatz als auch als Symbol. „Water Will Carry Us“ reflektiert demzufolge die Realität von Vertreibung, Neuentwicklung und Überleben und sucht darin gleichzeitig die Schönheit, die in fragilen Systemen weiterhin existiert. Das kreative Gestalten reflektiert auch die Gemeinschaften, die weiterhin Identität, Rituale und Freude in Räumen bewahren, die unter ständigem Druck stehen. Aber das sind gedankliche und vielleicht auch aktivistische Bezüge im Hintergrund, eher genannte Inspirationsquellen, die man in der Gestaltung wiederfinden kann und die für den aufmerksamen Betrachter zunächst höchstens einen losen thematischen Bezug herstellen mögen.

Das Wasser findet sich bei den Outfits einerseits in vielen grafischen Abstraktionen wieder, aufgestickt, gedruckt, eingewoben oder als Textur, gelegentlich auch als grafische Bildmotive aufgedruckt. Damit korrelierend sind die Stoffe weich und fließend, dünn und gelegentlich auch durchscheinend. Das Fluide bestimmt eigentlich die ganze Kollektion, sogar in Farbverwaschungen und letztlich auch in den variantenreichen Schnitten und Schichtungen. Entsprechend locker und bewegt wird auch der Charakter der Kleidung, alles sieht bequem tragbar aus und suggeriert aktives Leben.

Die Farbgebung ist eine optische Offensive. Adebayo Okelawal liebt Feuer- und Orangerot und er startet damit seine Schau mit Vehemenz. Schwarz oder großflächiges Weiß findet sich später nur ausnahmsweise und das Schwarz ist in der Sättigung gebrochen. Das leuchtende Rot, kraftvolles Blau und helles Gelb sind durchgehend bewußt betonte Primärkontraste, aber auch andere Farben werden kontrastreich genutzt und spielerisch zum Funkeln gebracht. Mit den häufig glatten Oberflächen wird die Leuchtkraft nicht selten auf die Spitze getrieben und die früher häufiger aufscheinende Farbwärme Afrikas taucht nun eher zurückgenommen hie und da auf. Hier ist die laute, urbane Wirkung betont. Das geradezu krachende Farbenspiel insgesamt sorgt für maximale Präsenz, für europäische Augen geradezu aufdringlich, aber es ist eben unglaublich ausgelassen und suggeriert eine Lebensbejahung, die letztlich wohltuend und stärkend ist. Und alles ist sehr geschmackvoll und gezielt angelegt. Damit setzt Orange Culture wieder ein leuchtendes Statement in die breite Palette der Fashionweek, das der dunklen Berlinstimmung entschieden widerspricht. Und so ist der eingangs beschriebene, engagierte und  polit-philosophische Ausgangspunkt dann doch wirksamer, als man dachte.