Marina Hoermannseder – Outer Space

Marina Hoermannseder – Outer Space

Berlin Fashion Week ss2027 – Haus der Visionäre

 

Text: Gerhard Paproth

Bilder: Boris Marberg

 

Für ihre Kollektion Outer Space war die Location namentlich schon ein passender Ort und die zugleich nostalgische und futuristische Themenidee eine vorzügliche Gestaltungsvorlage, die von Körperpanzer, über Kitsch und Disco bis zu mondkratermäßigen Oberflächen alles erlaubt – was man dann auch sah.

Einen konzeptionellen Themenansatz gibt es bei Marina Hoermanseder immer, aber schon ihr grundsätzliches Konzept für eine Schau ist stets bemerkenswert. Ihre Fantasie reicht weit über reines Modemachen hinaus und so ist die Laufstegschau stets eingebettet in große Raumdeko und Bühnennischen, was die Einstimmung auf die Kollektion verstärkt und schon eine Demonstration ist, wie visionär und gedanklich verspielt sie mit ihren eigenen Themen umgeht, inclusive origineller Showeröffnung. Aber dabei geht es nicht nur um Gestaltungsliebe. Sie sorgt für dekorativ ausgestaltete Räume vor dem Eventraum, damit sich „ihr“ Publikum dort schon vor der Veranstaltung versammeln kann, Eis essen, Limonade oder Sekt trinken, kleine Extras vernaschen und vor allem kommunizieren kann. Üblicherweise erscheint das Publikum auch sehr illuster, exentisch gekleidet und geschminkt und bildet eine Gemeinschaft von Voyeuren und Exhibitionisten, wo man sich gerne aufhält, weil Sehspass und kreative Gestaltung Teil des Miteinanders sind. Dass die Designerin sich über Jahre ein solches Publikum in großem Stil aufgebaut hat, liegt nicht nur an dem Willen, sich pfiffig über Instagram etc. zu vermarkten, sondern korrespondiert mit dem Verständnis, mit dem sie ihre Mode schafft. Damit einher geht allerdings auch eine Strategie des Exklusiven, wie sie großen Labels auch zu eigen ist.

Hoermanseder ist eine sehr fleißige Designerin, die gerade das große Mainstream-Club-Publikum zu erreichen sucht. Entsprechend sind die geschmacklichen Aspekte ausgerichtet, wesentlich glamourös, blinky, kitschfarbig, auffällig. Sie gibt quasi den gehobenen Discogeschmack vor. Gleichzeitig bedient sie durchgehend auch ihr Ur-Image, also das charakteristische geformte Leder, die Gurte mit rechteckigen Schnallen überall und in jeder Ausprägung und die Panzer, die sie ursprünglich einmal aus ortopädischem Arsenal abgeleitet hatte. Die unzähligen Varianten sichern den Wiedererkennungswert, den auch ihre Fans stets suchen und goutieren, auch wenn diese Outfits Bewegungsprobleme mit sich bringen.

In dieser Kollektion geht es also um um interplanetare Reisen, Anschauungen zu Wüstenplaneten und auch um die nostalgisch marginalisierende, klassische Verkitschung von Weltraumfahrt, wie sie schon in den 1960er Jahren, besonders in USA, gang und gäbe war. Passend zur Schau ist natürlich auch ein Soundtrack, der der diese, schon durch viele Filme geprägte, Vorstellungswelt begleitet und akzentuiert: eine energiegeladenen Mischung aus Pop und Eurodance und Anleihen aus der Star-Wars-Filmmusik. Überhaupt waren die Vorlagen der Science-Fiction-Filmindustrie massgeblich an der Ideenfindung beteiligt, deutlicher als die modernen Sci-Fi-Videospiele, die ja auch entsprechende Kleidung, Monturen und Körperpanzer erfinden.

Handwerklich ist Marina Hoermanseder dem hochwertigen Ethos ebenfalls treu geblieben, was auch das ganze Bling-Bling aufwertet. Sie ist damit eine der wenigen Designerinnen, denen der Spagat zwischen Club-Pop und Couture überzeugend gelingt.