Mode als „kulturelle Praxis“ statt reiner Produktion
Text: Boris Marberg
Artikelbilder: HDK, Cover Boris Marberg
Am vergangenen Samstag fand im Kunsthaus Baselland die aktuelle Präsentation und Performance der Graduierten des Jahres 2026 im Studiengang Doing Fashion statt. Ein guter Anknüpfungspunkt, sich mit dem Studiengang und der Ausrichtung der HGK in Bezug auf Modedesign zu beschäftigen.
Unsere Sichtweise auf Mode und den entsprechenden industriellen Komplex unterliegt seit Jahren einer Polarisierung, die von Fast Fashion und einer zunehmend (un-)social-media-bedingten Beschleunigung geprägt ist. Die individuelle Orientierung wird für die jüngere Generation zu einer existenziellen Herausforderung. Die Beschleunigung, der zeitgenössische Akzelerationismus, ist zwar nicht abrupt vom Himmel gefallen, wütet aber aktuell kulturell wie noch nie und frisst schonungslos, gewinnmaximierend, die Ressourcen. Berge an überproduzierter Kleidung häufen sich an und stellen Fragen nach Alternativen in den Raum, denen man sich auch in Basel annimmt.
Bereits 2011 fand eine tiefgreifende Umgestaltung und Neuausrichtung des Studiengangs statt. Unter der Leitung von Jörg Wiesel, der aus der Theaterwissenschaft und Literaturwissenschaft kommt, wurde ein Bachelor of Arts (BA) in Mode-Design konzipiert, der Mode nicht nur als fertiges Produkt fokussiert, sondern Mode als Prozess und soziale Handlung versteht. Während früher in Basel klassisch Modedesign gelehrt wurde, mit allen Aspekten der Gestaltung und der technisch-handwerklichen Umsetzung, geht es an der HGK nun darum, an einer gesellschaftlichen Schnittstelle anzusetzen. Die Studierenden setzen sich mit Themen wie Gender, Nachhaltigkeit, digitalen Räumen und sozialer Gerechtigkeit auseinander. Früher lag das Hauptgewicht auf dem Erlernen von Schnitttechnik, Materialkunde und der Fertigung physischer Kleidungsstücke für einen klassischen Markt. Heute beschäftigt man sich damit, Mode gesellschaftskritisch zu hinterfragen, wie sie wirkt, und welche gesellschaftliche und kulturelle Funktion sie hat. Konsequent findet für die Absolventen nicht eine klassische Modenschau statt, sondern eine Live-Performance und Installation bilden das Format für die Vermittlung.
Das erarbeitete Wissen und die gefundenen Prozesse sollen eine Basis bilden, um die erworbenen Fähigkeiten als Impulse in einem dann folgenden weiteren Designwerdegang einzubinden und mit einer kritisch reflektierten Sichtweise neue Impulse nachhaltig in die Branche zu vermitteln.
In den vergangenen Jahren hat diesen Werdegang unter anderem der junge, prämierte Designer Rafael Kouto durchlaufen, der 2014 seinen Bachelor in Basel machte, um dann seinen Master in Amsterdam zu absolvieren. Er steht für radikales Upcycling, Open Source in der Mode durch demokratisierte Wissensvermittlung und Bildung in der Schweiz.
Die aktuelle Performance wurde von den Studierenden zusammen mit Nils Amadeus Lange, Dozent für Performance und Präsentation an der HGK, konzipiert und umgesetzt. Im Kunsthaus Baselland wurden dann einzelne Fragmente der im Rahmen der Abschlussarbeiten konzipierten Performances gezeigt.

Bada Mirjam Kunzi

Hannah Maywald

Jerômé Spiria

Noemi Sophia Henkel

Sofiia Schmanskaya