RAUM.Berlin – Where does the runway end.

RAUM.Berlin – Where does the runway end.

Berlin Fashion Week AW2026/27 – RAUM.Berlin, Eichhornstrasse

1. Tag

Bilder & Text: Gerhard Paproth

 

… where does the installation begin? Gute Fragen, die als Motto-Titel dieser Veranstaltung gestellt werden. Zwölf Designer exponieren ihre aktuellen Kollektionen in diesen großen und verwinkelten Räumen am Potsdamer Platz an vier Tagen, an jedem drei von ihnen. Auf den ersten Blick am ersten Tag, mit Clara Colette Miramon, Esther Perbandt und Selva Huygens, werden die Exponate auf Schaufensterfiguren in Gruppen und Raumabschnitten präsentiert und dabei zusätzlich  mit Objekten angereichert, so dass jeweils eine Hinwendung zur Installation angedeutet wird. Aber im künstlerischen Sinne ist der Begriff mit kleinen Extras noch nicht eingelöst, im Modischen vielleicht schon eher. Und um Mode geht es ja eigentlich. Und vermutlich auch darum, eine angemessene Präsentationsform zu finden, die nicht so teuer und aufwändig wie eine Runwayshow ist und trotzdem öffentliches Publikum mit mehr als einer schlichten Schaufensterdemonstration angemessen erreicht. Wo der kreative Aspekt des Schaffens deutlich genug in die Wahrnehmung gerückt wird und das „Erleben“ ein Bestandteil sein kann, wie es die Laufwegschauen automatisch vermitteln.

Diesen Aspekt erproben Berliner Modedesigner ja schon seit geraumer Zeit auf der Positions Art Fair, allerdings mit der konkreten Hinwendung zum Künstlerischen. Designerinnen wie Esther Perbandt sehen sich mit ihrem Schaffen schon lange an dieser Schnittstelle und sind mit dieser Herausforderung geübt, bei anderen muss sich noch zeigen, inwieweit das kreative Denken über das Kleiderentwerfen hinaus reichen kann. Dabei sind Clara Colette Miramon und Selva Huygens ja noch vergleichsweise neu im Geschäft, letztere präsentierte ihre Entwürfe aber von Anfang an mit Bruchstücken aus dem Auto- und Industriedesign in einer kreativphilosophischen Verbindung.

Beim „Pressetermin“ am ersten Tag war der Andrang so stark, dass mit der Veranstaltung schon ein quantitativer Erfolg verbucht werden konnte, damit kam der Aspekt von performativen Installationen zwischen den vielen Besuchern dann aber weniger deutlich zur Geltung. Bei dem Arrangement von Clara Colette Miramon war der Installationsaspekt, wohl auch deswegen, am wenigsten erkennbar, abgesehen von farblich changierenden Vorhängen und eigentümlichen Spiegelrahmen  setzte sie focussiert auf das Ensemble ihrer Modestücke. Dabei springen die popkulturellen Akzente besonders ins Auge, auch der subkulturelle Clubaspekt setzt deutliche Botschaften und Akzente, aber die oft feminin-romantischen Aspekte mit Spitze, Schleifen, Bändern und zarten Farben und Mustern tragen den grundlegend weiblichen Gesamteindruck der Kollektion. Das Spiel und die Brechungen der Softness mit spielerischer Strenge ergeben schließlich das reizvolle und attraktive Spannungsfeld ihres Schaffens.

 

 

Ganz anders bei Esther Perbandt, die der Kraft des Schwarzen vertrauen kann und innerhalb dieser stets neue Modulationen im Gestalterischen ausprobiert. Auch hier gibt es die Kontraste zwischen romantischen Sensibilitäten und geradlinigen Entschiedenheiten, aber eher von Outfit zu Outfit und mit gewohnter Sicherheit im Experiment, das stets eine eigene Eleganz befördert. Das Installative beziehungsweise Performative dieser Präsentation ist geschickt durch die Gleichzeitigkeit von lebendigen und statischen Modellen in der dichten Gruppe geprägt und optisch durch unzählige schwarz-glänzende Kugeln am Boden reizvoll zusammengehalten. Auch wenn der ursprüngliche Gestaltungsansatz noch in eine andere Epoche zurück reicht, gelingt es der Designerin stets, eine souveräne Balance zum aktuellen modischen Zeitgeist auszuloten. Der übergreifende Touch von Eleganz begründet diese Souveränität massgeblich.

 

Selva Huygens macht seit letztem Jahr von sich reden, sie erscheint mittlerweile bei allen wichtigen Berliner Modeevents und hebt dabei stets installativ den Zusammenhang zwischen ihrer Mode und industriedesignerischen Gestaltungsaspekten (besonders Autodesign) hervor, so auch hier. Mit ihrer neuen Kollektion hat sie diesen Dynamikaspekt nicht nur wieder pfiffig in Formen gebracht sondern nun auch die gestalterische Palette mit Farbgebung, Schnitten und Kontrasten erweiternd durchgespielt und dabei tolle, gut tragbare Kreationen hervor gebracht, die der vorgezeigten Referenzen eigentlich nicht mehr bedürfen. Gleichwohl prägen diese aber noch deutlich die Gesamtpräsentation und führen zu atemberaubenden Modeskulpturen mit ausladenden Volumen, unkonventionellen Schnitten und verrückten Materialkombinationen. Die Designerin hat ihre gestalterische Kompetenz im Sinne tragbarer Mode deutlich ausgebaut und dabei die experimentelle Lust nicht eingeschränkt. Sie selbst greift nun mit ihrer Anwesenheit spielerisch in das statische Erscheinungsbild ein und fügt ihrer Präsentation damit noch eine performative Note hinzu. Selva Huygens ist sicherlich der innovativste Stern am Berliner Modehimmel.