SHIH CHIEN UNIVERSITY (Taiwan)

SHIH CHIEN UNIVERSITY (Taiwan)

Berlin AE 2016/17

Text: Gerhard Paproth

Fotos: Boris Marberg

Die Teilnahme einer Ausbildungsstätte oder Förderinstitution an der Fashionweek Berlin ist ja im Prinzip keine Innovation, lässt aber zumeist innovative Konzepte einer Schau vermuten. Auch wenn wir nicht wissen, nach welchen Kriterien die jeweilige Schule bzw. Institution ihre Teilnehmer aussucht, reicht schon der Touch des Außergewöhnlichen, die Veranstaltung attraktiv zu machen. Nicht selten liegt schon das Außergewöhnliche in einem anderen Kulturkreis begründet.

In der Praxis wird die Erwartung nicht immer eingelöst. Wenn zum Beispiel afrikanische Designer (African Fashion Day) letztlich aus dem Pariser Modekontext heraus agieren und westlichen Strömungen höchstens kleine afrikanische Akzente hinzufügen, widersetzen sie sich nicht nur möglichen (folkloristischen) Erwartungsklischees, sondern suchen damit marktkonforme Gestaltungspositionen, ein akzeptables Plätzchen im westlichen Getriebe bei deutlich reduziertem (kulturellem) Innovationspotential. Nicht selten ist das auch darauf zurückzuführen, dass die Ausbildungsstätte(n) der Protagonisten schon westlich waren.

 

Die Schau der Shih Chien University, eine private Hochschule aus Taiwan mit etwa 10000 Studenten, war da – im philosophischen Konzept – durchaus breiter aufgestellt: 21 angehende Designer mit 53 Outfits boten eine differenzierte Palette zwischen Exotik, Futurismus, asiatischen Elementen und westlichen Prägungen. Das Ergebnis der Ausbildungsziele, „independent thinking“ und „professional fashion design skills“ zu verschmelzen war durchweg überzeugend und spannend anzusehen.

 

Besonders faszinierend sind natürlich die asiatischen Gestaltungsprinzipien und kulturellen Zitate in einem aktuellen Zeitgeist, der, und darin liegt auch das eben nicht folkloristische Anliegen der Vorführung, wirklich innovatives Potential hat. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Kulturgeschichte, visionären Perspektiven, kommerziellen Überlegungen und verspielten Experimenten hat ja nicht nur schulischen Charakter, sondern erbringt auch realistische und selbstbewusste Statements der Modeästhetik, die über den Kulturkreis herausreichen können. Vorstellungen, die unsere westlichen Sichtweisen durchaus reizvoll und innovativ befruchten. Und Gestaltungen, die einfach toll aussehen.

 

Umgekehrt ist es auch interessant, was von hiesigen Strömungen aufgegriffen wird (siehe Beispiel Marina Hoermanseders Lederkorsagen) und mit asiatischer Ästhetik Verbindungen eingeht. Zugegeben, viele formale Experimente kommen einem bekannt vor, aber immer ist in Farben, Formen, Muster oder Applikationen auch ein asiatischer Touch enthalten, der dem Erscheinungsbild ein gewisses Etwas verleiht.

 

Insofern war diese Schau weniger ein Statement, inwieweit chinesische Gestaltung sich jetzt verwestlicht, sondern viel eher eines dahingehend, dass der eigene, spezifische Kulturkreis dem internationalen Modekontext eine sehr spannende und charakteristische Note hinzuzufügen weiß.

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