Sadak SS16

Sadak SS16

Text: Boris Marberg

Bilder: Andreas Hofrichter

This is the end. Sadak präsentierte in Berlin im Sommer 2015 auf der Fashion Week, die neue Kollektion für den diesjährigen Sommer. Die Kollektion kann ohne weiteres, bewusst, oder unbewusst gewollt, als Statement zur aktuellen Politik und Gender-Diskussion betrachtet werden.

Die Burka für den Mann, fließende weiche und sanfte Farbverläufe, geteilte und halbierte Blazer, Strandröcke und markante Linienführung bei den Drucken, vergoldete Autoreifen und Kettchen um den Arm oder die Fußknöchel sind nur einige wenige Aspekte und Details, dieser Kollektion, die sich in ungewöhnlicher Weise gegen tradierte Konventionen stellt und auch eine differenzierte Auseinandersetzung mit Geschlechtlichkeit und Urbanität im sozialen Kontext provoziert. Sofern man sich dem Postulat anschließt, dass in der Mode das Sexuelle in überwältigender Form, in der Entwicklung ausgehend von der führen Neuzeit, dem Weiblichen zusteht und zuzuordnen ist, so kann man das Werk von Sadak als Aufforderung verstehen, dem Männlichen den Reiz des Sexuellen wieder zuzusprechen. Sicherlich ist das Männliche in der Mode auch in den vergangenen Jahrzehnten immer auch aus einer sexuellen Perspektive betrachtet worden. Dies allerdings nur in dem Raster der stereotypischen Rollenbilder unserer neuzeitlich geprägten Gesellschaft. Diese weist, was in den letzten Jahren vermehrt in der deutschsprachigen wissenschaftlichen und populärwissenschaftlichen Fachliteratur diskutiert wird, dem Männlichen ausschließlich das Funktionale und Uniforme zu. Der „geformte“ Mann bezieht dann gerade aus dieser Anpassung und Unterordnung seine sexuelle Rolle und untermauert hierdurch seine Aufgabe, der Versorger zu sein. Daran ändert auch nichts ein (gutes) Jahrhundert an Feminismus, wenn sich dieser Feminismus darin erschöpft, dass nun Frauen ebenfalls die Rolle des „Versorgers“ zusteht und die Frau sich dem Diktat des Funktionalismus unterwerfen darf, um ihren Mann zu stehen. Interessanterweise ist diese Entwicklung damit einhergegangen, dass Frauen in der Mode die Projektionsfläche für das Sexuelle wurden, und dennoch die Freiheiten genießen, sich individuell auszudrücken, wie dies vor der frühen Neuzeit tendenziell eher den Männern zugestanden wurde.

Gerade der urbane Raum wirkt in unserer postmodernen Kultur als Katalysator für die Konfrontation der unterschiedlichen Geschlechterrollen und –verständnisse. Städte wie Köln, Hamburg und gerade auch Berlin sind in Bezug auf die Ausgestaltung und Weiterentwicklung Zentren der Kristallisation. Hier treffen in zunehmendem Masse unterschiedliche kulturelle Hintergründe mit ihren eigenen Verständnissen von Geschlechterrollen aufeinander. Urbane Ballungszentren bieten gerade Frauen jene Berufs- und Karrieremöglichkeiten, um sich in den ursprünglich dem Männlichen vorbehaltenen Funktionalismus der wirtschaftlichen Gegebenheiten einer neoliberalen Gesellschaft ein- und unterzuordnen. Dieser Funktionalismus gesteht modisch in der Gesellschaft den Frauen zu sich anders und individueller auszudrücken, während dies nur in Nischen nur jenen Männern zugesprochen wird, die nicht (mehr) darauf angewiesen sind, ihren Lebensunterhalt durch Lohnarbeit zu bestreiten und sich deshalb auch nicht modischen Konventionen zu unterwerfen zu haben.

Hieran anknüpfend stellt sich die Frage, ob und in welchem Ausmaße Männer, welche Kleidung wie zum Beispiel von Sadak tragen, Wirkung über ihr jeweiliges Milieu hinaus haben und auf die Wahrnehmung und Akzeptanz individuellerer Mode für Männer wirken.

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