Hairartist Sigi Renner: Über Trendsetting im Internet

Hairartist Sigi Renner: Über Trendsetting im Internet

Text: Gerhard Paproth

Bilder: Marcello Rubini

Eine der spannenden Persönlichkeiten unter den Hair-Artisten im Backstage der Mercedes-Benz-Fashionweek ist SIGI RENNER aus Amberg (Oberpfalz). Er gehört zum Team des „Atelier Artistiqe“, einer losen Vereinigung kreativer Haarkünstler, der wohl die besten Topfriseure Deutschlands angehören und aus der der Sponsor L’Oréal Professional das Team im Backstage rekrutiert. Sigi Renner betreibt in Amberg zwei Salons mit ausgezeichnetem Ruf, erstklassigen Ambitionen und natürlich anspruchsvoller Kundschaft. An der Fashionweek war er bisher immer mit eigener Assistenz beteiligt, mittlerweile zählen dazu seine Töchter, die aus eigenem Entschluss in Papas Fußstapfen treten. Er ist ein ruhiger, besonnener Typ, kein wild herumfuchtelnder Macher, der aber sehr wohl die Lust und Freude an seinem Beruf pflegt, Spaß an kompetentem Tun und engagierten Konzepten hat und im Interview sehr kluge Ansichten zum nicht alltäglichen und zum alltäglichen Geschäft schlüssig auf den Punkt zu bringen weiß.

  1. In welcher Beziehung steht die Arbeit auf der Fashionweek zu der im alltäglichen Geschäft? Sigi Renner meint, dass das Entscheidende nicht die Imagefrage sei, auch wenn dieser Job den Ruf hoher Kompetenz durchaus verbreitet, „das ist normal“. Viel wesentlicher ist ihm der reale Austausch von Techniken, Know-how und das Kreieren von Looks mit den anderen im Team. (Vorzustellen ist das wohl als kreative Fortbildung der Cracks im partnerschaftlichen Miteinander.) Und die so ergänzten bzw. angereicherten Kompetenzen und Ideen sind nutzbar und fruchtbar im täglichen Geschäft, durchaus auch im Sinne des Zeitgeistes.
  2. Gibt es überhaupt noch Trends? So einfach und bündig wie früher ist das nicht mehr festzuschreiben, räumt Sigi Renner ein. Inzwischen hat sich alles in verschiedene Richtungen entwickelt. Mode entsteht ja aus Trendentwicklungen in der Gesellschaft, und die lassen sich in Netzwerken finden. Man müsse ein Gefühl dafür entwickeln, aus den Crashes und Crossovers kultureller Strömungen und Erscheinungsbilder diese Trendentwicklungen zu erspüren – und die Netzwerke findet man, natürlich, im Internet. Der Bezug zu seinen Kindern erweist sich über das eigene Surfen und Kommunizieren im Internet hinaus als konstruktive Ergänzung, denn sie zeigen Papa spannende Youtubes und Fundstücke aus ihren jugendkulturellen Kontexten.
    Sind die USA in Trendorientierungen von besonderer Relevanz? Die wesentlichen und interessanten kulturellen Einflüsse kommen nicht aus den USA, so schätzt Sigi Renner das ein, sondern hier eher aus Italien, Frankreich, England, Spanien – eben primär Europa, durchaus auch Asien und Südamerika. Überall dort wo man aus Kultur eben Inspirationen und Ideen holen kann.
  3. Wie entstehen die Haar-Looks für die Modelle einer Designkollektion? Im Wesentlichen, so beschreibt es Sigi Renner, gibt es zwei Varianten des Gestaltungsprozesses, der sich als Gedanken- und Informationsaustausch mit dem Designer per Internet schon im Vorfeld entwickelt. Entweder sind die Vorstellungen des betreffenden Designers eher offen, so dass ein vorzuschlagender Look überhaupt kreiert werden muss oder es gibt feste Vorgaben, wo Lösungen gefunden werden müssen. Marina Hoermanseder zum Beispiel wollte für ihre Kollektion asymmetrische Frisuren mit weichen Formen, gab damit also eine eher offene Vorgabe, die zunächst viel kreativen Gestaltungsspielraum anbietet. Viele Varianten und Veränderungen bestimmen dann den Prozess bis zur abschließenden Festlegung.
  4. Wie würden Sie Ihre eigene Einstellung zu Mode/Fashion beschreiben? Sigi Renner antwortet sehr spontan: Inspiration, Freude! Die Beschäftigung in diesem Umfeld „turnt an“, sie macht kreativ und das „ist gesund“. Außerdem ist es ein Feld der Freiheit (und, so fügt Sigi Renner mit einem Blick auf seine Tochter hinzu, „in diesem Bereich können gerade junge Menschen Freiheit genießen“!)

Ein sehr entschiedenes Statement zum Schluss, wie wir finden, denn genau damit wird die emanzipierende Unterscheidung von Hair-Artist zum Friseurmeister deutlich.

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Für Guido Maria Kretschmer, Berlin Fashionweek aw 2013

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Für Miranda Konstantindinou, Berlin Fashionweek ss 2015

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Für Irene Luft, Berlin Fashionweek aw 2014

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Für Marc Cain, Berlin Fashionweek aw 2014

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Für Rebecca Ruetz, Berlin Fashionweek aw 2012

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Bei Dawid Tomaszewski, Berlin Fashionweek aw 2013

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Für Marina Hoermanseder, Berlin Fashionweek ss 2015

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