Fashionweek AW2014 Berlin – Looktests

Fashionweek AW2014 Berlin – Looktests
L’Oréal Professionnel Académie Berlin

Text: Marcello Rubini
Bilder: Marcello Rubini
 
 
 
 
 
 
 
 

 
 

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Die Looktests vor den Shows sind immer ein schöner Auftakt in den Studioräumen der Académie L’Oréal Professional des entsprechenden Sponsors. Mit den Chefs für Visagistik und Hair Boris Entrup und André Märtens arbeiten hier inzwischen längst eingespielte Teams mit viel Kreativität und handwerklichem Können, die aus jedem noch so diffusen oder spezifischen Designerwunsch etwas Bemerkenswertes zu gestalten in der Lage sind. Manche Teamsessions müssen sie über Telefonkonferenz absolvieren (z.B. mit Lena Hoschek), manche nach zugeschickten Bildbeispielen, viele im Gespräch mit dem Designer selbst. Letzteres sind die Gestalterisch bemerkenswerten Aktionen, denn man erlebt nicht nur die Entwicklung der Kreationen, sondern auch das Charisma des Designers erfüllt die Räumlichkeiten, wie zum Beispiel bei Guido-Maria Kretschmer.

 

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Kretschmers aktuelle Kollektion heißt „Altai“ und umfasst erstmalig alle Teile aus eigener Hand bzw. Produktion. Inzwischen hat der Designer vorwiegend aus eigener Kraft ein gut strukturiertes, eigenes Netz aus Unternehmungen aufgebaut, das quasi alles aus einer Hand organisiert oder realisiert, was der allgemeinen Idee des jungen Designers von Mode machen genauso entspricht, wie auch der Vorstellung vom Gesamtkunstwerk der Show, wo auch die Musik mit Musiker und Studioarbeit gemeinsam erschaffen wird.
Neu an der Kollektion ist zunächst die Leitidee, der größer gewordenen Nachfrage nach Prêt-à-Porter auch gerecht zu werden, also bezahlbare Mode jenseits der kleinen Szene exclusiver Couture zu entwerfen und zu produzieren. Der Weg weg von komplizierter High Fashion erwies sich dabei – so Kretschmer – durchaus als Herausforderung, weil ein reduzierter Look in seiner Klarheit viele Tücken mit zum Teil schwierigen Schnitten birgt. Herausgekommen ist ein urbaner Look, der das von Kretschmer gewohnte Frauenbild modifiziert: „Ich wollte die >Armee des Modernen< nicht mehr auf das Weibchen reduzieren.“ Trotz dieser drastischen Formulierung ist der Look natürlich noch sehr weiblich, dem ausgeprägt guten Geschmack sei es gedankt, mit der dazu kombinierten Bob-Frisur und einem stark akzentuierten Gesicht erscheint er allerdings klarer, kontraststark und schärfer pointiert.

 

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Die Raffinesse, mit der André Märtens diese neue Bob-Frisur ausgestaltet, unterstreicht dabei den differenzierten Anspruch und verweist gleichzeitig auch auf die Vorstellung einer sehr modernen Frauenrolle.

 

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Neu auf dem Laufsteg der Fashionweek sind Sachen von der Newcomerin Marina Hoermanseder. Erst dieses Jahr hat sie ihren sehr erfolgreichen Abschluß bei der Esmod hingelegt, man erlebt also noch nicht eine so erfahrungsreiche Kollektion wie bei Kretschmer, dafür aber eine sehr rasante Konzeption von Outfits. Wie Kretschmer aber ist auch sie geradezu besessen von handwerklicher Qualitätsarbeit, aus der die Gestaltung eine wichtige Grundlage ableitet. Der künstlerische Ausdruck Marina Hoermanseder ist geprägt von der Kraft festen Leders, das selbst eher konventionell-kommerziellen Kleidungsstücken den deutlichen Akzent von Verruchtheit und Power auf den Weg gibt. Auf ihrer Webseite sahen wir Ledercorsagen, die zwar auch an die Fetischszene erinnern, aber weniger auf diese abheben, sonder mehr auf unsere Vorstellung von orthopädischen Artikeln. Stolz, aufgerichtet und stark erscheinen die Trägerinnen darin, fast schon unabhängig von der eigenen Körpergestalt. Alles tritt fest auf, ohne das Edle und Differenzierte zu negieren oder sich auf geometrischen Formenkanon reduzieren zu müssen. Entsprechend klar realisierte André Märtens eine geradlinige, zurückgenommene Frisur, die auch hier keine Klischees reproduziert. Die Klarheit der Anschauung zeigt sich auch in Boris Entrups Make-up: zurückhaltend aber sehr entschieden vervollständigt er die Gesamtvorstellung schlüssig.
Wir sind außerordentlich gespannt auf diese Show (Freitag, 15 Uhr, Zelt).

 

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