Dawid Tomaszewski by Aryton: Getrübtes Vergnügen

Berlin Fashionweek AW2017

Text: Gerhard Paproth

Bilder: Andreas Hofrichter

Seit Anbeginn des Labels berichten wir über die traumhaft luxuriösen Schauen des deutsch-polnischen Designers, stets begeistert über die große Stimmigkeit bis hin in die letzten Details und Accessoires. In seiner Auftragsarbeit für Patrizia Aryton (polnischer Damenausstatter im Premium-Segment) hat Tomaszewski den komplexen Ästhetik-Anspruch jedoch zurückgenommen und konzentriert sich auf die Kleidungsstücke selbst.

Mit wunderbaren Materialien, darunter viel Kaschmir, Samt, Rohseide, und sehr eleganten, zum Teil raffinierten Schnitten gelingen ihm nach wie vor großartige Stücke, vor allem natürlich Mäntel, Kleider und Anzüge. Dabei zeigte die Schau zugleich eine größere Vielfalt der Gestaltungsansätze, zum Beispiel raffinierte Faltungen vs. geradlinigem Karomuster. Tomaszewskis geliebte Streifen finden immer wieder gut akzentuierende Einsätze auf verschiedensten Teilen, besonders jedoch die Lust am edlen Material weiß der Designer überall optimal herauszustellen.

Mit der Reduktion wurde allerdings das gewohnt perfektionistische Finish eingeschränkt, und das nicht nur weil die besonderen Zugaben und das Exzentrische – Federn, üppiger Schmuck etc. – fehlten. Vermisst haben wir die ausgerichtete Kollektionslinie, es war eher eine Ansammlung schöner Tomaszewskis. Verstärkt wurde dieser Effekt durch die Schichtungen von Einzelteilen übereinander, die den Leitgedanken harmonischer Stimmigkeit oft ganz aufzugeben schienen. Vielleicht ist das dem Auftragsmodus der Schau geschuldet, der die ästhetische Kraft und Geschlossenheit der früheren Tomaszewski-Schauen zugunsten einer Assemblage verkaufbarer schöner Teile eintauscht. Insofern war das Tomaszewski-Vergnügen hier nur noch ein geteiltes.